Doctor’s Advocate von „The Game“

Küstler:
The Game
Redaktions-Wertung:
Titel:
Doctor's Advocate
Release:
10. November 2006
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

the-game-doctors-advocate-cd-bewertungendeNach dem Streit mit 50 Cent, der trotz inszenierter Versöhnung nie wirklich vom Tisch war, verlies The Game nicht nur das G-Unit Camp, sondern auch gleich noch das Label seines Mentors und Helden Dr. Dre. Auf dem Nachfolger zu „The Documentary“ sollte einiges anders werden und Game wollte zeigen, dass er es auch ohne Dre schaffen kann. Tatsächlich werden Worte wie Aftermath jedoch ständig erwähnt und auch der Titel „Doctor’s Advocate“ sowie die Gestaltung des Covers, das dem Vorgänger doch fast ähnelt wie ein Ei dem anderen, zeigen, dass The Game damals noch nicht so ganz mit der Geschichte abgeschlossen hatte. Auch wenn hier wieder ein Haufen Produzenten am Werk war, die fast alle nicht von der Westküste kommen, hat „Doctor’s Advocate“ mehr California-Sound als seine anderen Alben, was zwar etwas überrascht, aber auch sehr positiv ist.

Ohne Intro, sondern gleich mit einem Brecher donnert das Album auf einen zu, angeführt von „Lookin At You“, das mit dunkel hämmernden Beats die Härte Comptons aufzeigt, wobei besonders The Game zeigt, dass er sich flowtechnisch entwickelt hat, aber auch der Gesang von Tracey Nelson passt gut dazu. Ähnlich, aber auch ähnlich gut, ist das nur minder entspanntere „Da Shit“, bei dem Tracey erneut den Hook übernimmt. Die erste Singleauskopplung findet man mit „It’s Okay (One Blood)“. Wie einst auch der Wu-Tang Clan hat The Game gefallen an Junior Reid’s Klassiker „One Blood“ gefunden und ihn dazu eingeladen, auch hier die Zeilen von 1990 zu performen. Heraus kam dabei ein guter, schneller und harter Song, der von den guten Rhymes und vor Allem von Junior Reid lebt.

Das erste Highlight der Platte erschuf will.i.am mit „Compton“, das mehr California-Sound versprüht, als das komplette letzte Album. Kraftvolle Bassline gepaart mit wirklich tollen Synthesizer-Melodien und Samples, die u.a. von Eazy-E’s „Real Muthaphuckkin G’s“ stammen, das macht schon verdammt viel Spaß, die Vorstellumg von Game und will tun ihr Übriges – Bombe! Just Blaze produzierte mit „Remedy“ einen weiteren Smash, der ordentlich abgeht. Anstatt auf dröhnende Elektronik setzte der Mann aus New Jersey auf smoothe Beats und ein Pianospiel, dass sich nach Saloon anhört und so ein fresher Wild West-Style entsteht. Wieder ein toller Track. Schon relaxt kommt „Let’s Ride“ um die Ecke. Der Mix aus Klavier und Streichern erzeugt schön melodische Klangwelten, die reingehen wie Öl, The Game’s leicht raue Stimme wirkt wie dafür gemacht.

Mein persönliches Highlight ist eindeutig „Too Much“. Was Scott Storch hier abgeliefert hat, ist schon ein Traum. Drückende, jedoch sehr angeheme Beats, garniert von Glöckchen, Streichern und leisen E-Gitarren, was sich zusammen so toll anhört, dass der Song auch ruhig noch ewig weiterlaufen könnte. Game und Altmeister Nate Dogg tun ihr Übriges zu diesem Knaller. Kanye West ist als Produzent und Feature bei „Wouldn’t Get Far“ mit von der Partie, wobei sein souliges und chilliges Instrumental doch etwas besser gelang als seine Strophe, jedoch ist Kanye auch hier eine echte Bereicherung. Nach der wieder einmal eher dürftigen Swizz Beatz-Produktion „Scream On Em“, erreicht man eine Phase, die ein paar ruhigere Lieder enthält.

Eingeleitet wird diese von „One Night“, das mit angenehmen Klängen, hervorgerufen durch Instrumente wie Trompeten, Klavier und Geigen und zu einem schönen Gesamtbild verschmilzt. Auch „Ol‘ English“ ist ein mehr als gelungener Titel, besser gesagt einer meiner Favoriten von „Doctor’s Advocate“. Es zwar eher unspektakulär produziert, doch die ruhigen und behäbigen Sounds verfehlen ihr Ziel nicht, besonders der von Dion gesungene Refrain ist richtig klasse. Kraftvoll, ja fast schon brachial brettert „California Vacation“ mit Snoop Dogg und Xzibit aus den Speakern. Besonders der Doggfather zeigt sich nach einigen Fehltritten wieder mal von seiner besten Seite, allerdings sieht er gegen The Game auch etwas alt aus.

Auch die Jungs von Tha Dogg Pound haben es sich nicht nehmen lassen, Game hier zu unterstützen. Auf dem rhythmischen, aber auch etwas dunklen „Bang“ rappen sie mit, wobei mit Daz Dillinger mit seiner souveränen Vorstellung sehr gut gefällt, The Game und Kurupt spulen ihr Standart-Reportoire ab. Das sehr R’n’B lastige „Around The World“ passt zwar nicht ganz zum Rest der Platte, ist auch nicht wirklich herausragend, dafür bringt es etwas Abwechslung in das Ganze. Nebenbei zeigt Jamie Foxx mal wieder, dass er bessere Musik machen kann, als Filme. Zum Ausklang von „Doctor’s Advocate“ wird man auf eine kleine Probe gestellt, denn der Song hat eine stolze Spielzeit von 9:22 Minuten. Allerdings sind diese wirklich toll gestaltet, nämlich mit einem sehr angenehmen und viel Soul ausgestatteten Instrumental von Just Blaze, für die Vocals sorgen mit The Game und Nas zwei absolute Schwergewichte der aktuellen Rap-Szene für gute Unterhaltung.

Auch wenn „Doctor’s Advocate“ die Chart-Hits des Vorgängers und des Nachfolgers fehlen, ist es über die gesamte Laufzeit betrachtet das wohl stärkste Werk des MCs aus Compton, Los Angeles. Lyrisch stärker als zuvor, auch das Feeling orientiert sich etwas mehr an Game’s Heimat, wozu man sich auch die passenden Gäste rausgesucht hat. Fans von The Game werden die Platte bestimmt schon im Regal haben, wenn nicht wird es schleunigst Zeit, genau wie für diejenigen, die auf den aktuellen West Coast Rap stehen.

Subscribe to Comments RSS Feed in this post

1 Kommentar

  1. Ich find’s ehrlich eine Frechheit. Kommerz-Elektro-Pop wie beispielsweise Pitbull, so oft ich auch das gesagt habe, verdient keine 8 Sterne. Und Game’s bestes Album mit 4,5 von 5 Mics, also 9 von 10 Sternen MUSS besser sein. Zumal da ich beides kenne und deshalb auch abwägen kann.nn1nn1

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a