Distant Relatives von „Nas & Damian Marley“

Küstler:
Nas & Damian Marley
Redaktions-Wertung:
Titel:
Distant Relatives
Release:
14. Mai 2010
LeserInnen-Wertung:
Web:
keine Angaben

Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, als das gemeinsame Projekt von Nas und Damian Marley namens „Distant Relatives“ angekündigt wurde. Jetzt, nach diversen Verschiebungen, ist die Platte endlich draußen, passend zum nahenden Sommer. Wie man sich sicher denken kann, besteht der Sound der beiden aus einer Mischung ihrer musikalischen Herkünfte: Hip Hop und Reggae, aber auch viele afrikanische Elemente finden sich hier wieder und das nicht ohne Grund, denn mit „Distant Relatives“ wollen Nas und „Jr. Gong“ auch auf die Probleme des schwarzen Kontinents aufmerksam machen. Produziert wurde die komplette Scheibe von Damian Marley und dessen Bruder Stephen, als Gäste wurden K’naan und Lil Wayne mit ins Boot geholt.

Als Opener dient das schon etwas länger bekannte „As We Enter“, dessen treibender Beat und flotter Rhythmus einen sofort packt, gute Stimmung verbreitet und schon ein erster Indikator dafür ist, dass Nas und Damian wunderbar miteinander harmonieren. Mit „Tribes At War“ folgt schon gleich ein weiterer mehr als gelungener Track, man könnte ihn fast schon als kleines Meisterwerk bezeichnen. Kraftvolle Drums und Background-Gesang, die dem Song eine Note verleihen, als wäre er tatsächlich von einem Stamm Ureinwohner entsprungen, sorgen für eine unheimliche Power, die man auch in den Performances von Nas und Damian, sowie dem Gast K’naan spürt, während sie auf die viele Gewalt in Afrika eingehen. Nicht von minderer Qualität ist „Strong Will Continue“, mit dem es weiter geht. Man spürt zu jeder Sekunde, dass dieses Lied den Menschen neue Hoffnung geben soll. Das Instrumental dabei ist wieder erste Sahne. Energiegeladene E-Gitarrenriffs werden mit einem gefühlvollen Pianostück kombiniert, besonders im Refrain, der richtig bombastisch rüberkommt, sorgt das für einige Gänsehautmomente. Reggae Flavor bekommt man mit „Leaders“ geboten, das sich mit seinen relaxten Klängen Zugang zum Gehör verschafft. Mit von der Partie ist Stephen Marley, der gemeinsam mit Bruder und dem Rapper aus Queensbridge kritische Worte an all die Führer der Welt richtet. War hier nun etwas Entspannung angesagt, kommt „Friends“ fast schon wie harter Tobak rüber, tatsächlich wird mit Freundschaft aber ein positives Thema angesprochen. Behäbig wummert der Beat, dazu ein paar Trommeln und eine Gitarrenmelodie, die sofort unter die Haut geht und einen dadurch der Song durch und durch berührt.

Perfekt für den Sommer eignet sich das fröhliche „Count Your Blessings“, dessen flotte Takte sofort die Sonne scheinen lassen und für gute Laune sorgen – große Klasse! Dem folgen mit „Dispear“ und „Land Of Promise“ wieder ein energiegeladener und ein Reggae mäßiger Track. Im Grunde wiederholen sich die Styles also, aber da wirklich jedes Lied für sich selbst steht und seine Aussage hat, kann keinesfalls von Eintönigkeit die Rede sein. Im Gegenteil, man kommt oft kaum aus seiner Begeisterung für „Distant Relatives“ heraus. Auch die spirituelle Seite kommt nicht zu kurz. „In His Own Words“ könnte man wohl auch problemlos in einem Gottesdienst spielen, denn nicht nur durch Nas und Damian, auch durch die Sänger im Hintergrund und die allgemein sehr positive Stimmung des Liedes wird einem bewusst, wie viel man aus seinem Glauben gewinnen kann. Nach dem Headbanger „Nah Mean“ und dem mystisch angehauchten „Patience“ erreichen wir mit „My Generation“ einen Titel, der vielen Fans aufgrund der Personalie Lil Wayne sicher einige Skepsis bereitet hat. Wie man sich schon am Namen denken kann, ist dieses Lied an die jungen Leute von heute gerichtet und was sie bewirken können, wenn sie sich anstrengen. Joss Stone performt gemeinsam mit einem Kinderchor den Refrain, was wieder ein bisschen die tolle Gottesdienststimmung von „In His Own Words“ hervorruft, auch wenn die Thematik eine andere ist. Während der Strophen ist das Ganze etwas flotter gehalten, Damian und Nas machen wie immer einen guten Job, aber auch Weezy hängt sich rein, rappt so wie früher und auch sein Text dreht sich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben – bitte mehr davon in Zukunft, Mr. Carter! Zum Abschluss werden mit „Africa Must Wake Up“ (feat. K’naan) noch einmal nachdenkliche Töne angestimmt, die dazu aufrufen endlich etwas zu tun, um all die Missstände dort zu beseitigen. Ein würdiges Ende eines grandiosen Albums.

Mit „Distant Relatives“ gelang Nas und Damian Marley ein wirklich großartiges Werk, vielleicht sogar schon der erste Black Music Klassiker des neuen Jahrzehnts. Die Produktionen sprühen nur so von Herzblut und Liebe zur Musik, noch dazu sollen die Texte aufrütteln bzw. Kraft geben, manchmal vielleicht ein bisschen naiv, aber nie sinnlos. Bleibt als Fazit nur eines zu sagen: dieser perfekte Stilmix ist nicht nur für Hip Hop oder Reggae Fans geeignet, sondern jeden, der sich mit Black Music auch nur ein bisschen verbunden fühlt.

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