Dinner And A Movie von „Brotha Lynch Hung“

Küstler:
Brotha Lynch Hung
Redaktions-Wertung:
Titel:
Dinner And A Movie
Release:
7. Mai 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Der verrückte Haufen von Strange Music hat ein neues Mitglied für das „Drill Team“ und es ist kein Geringerer als Bay Area Legende Brotha Lynch Hung, der im Laufe seiner Karriere durch seinen Horrorcore wohl genauso viele Kritiker wie Fans für sich gewonnen hat. Mit seinen mittlerweile 38 Lenzen ist der MC aus Sacramento zwar nicht mehr der jüngste, aber ähnlich wie bei seinem neuen Chef Tech N9ne darf man auch bei Lynch Hung nicht davon ausgehen, dass er es sich auf dem Altenteil gemütlich macht – im Gegenteil; man darf sich auf einen Rapper freuen, der auf „Dinner And A Movie“ wieder richtig motiviert zur Sache geht.

Wirft man einen Blick auf die Tracklist, so werden einem schnell die vielen Skits und Features auffallen. Da stellt man sich vielleicht die Frage, ob Brotha Lynch Hung nicht etwas zu kurz kommt. Hören wir nun also in das Album, das zwar 22 Tracks, aber nur 14 Songs zu bieten hat, rein. Schon im Intro wird uns klar, dass BLH immer noch der Selbe von früher ist, das wird mit dem ersten Lied „Colostomy Bag“, welches mit dickem Beat im West Coast Style ausgestattet ist, sofort bestätigt, indem der Brotha und seine Gäste G-Macc und C-Lim ihren nicht ganz normalen Gedanken freien Lauf lassen. Durch Jay-Z wurde die Bezeichnung „D.O.A.“ weltweit bekannt, auch auf „Dinner And A Movie“ findet man sie vor. Allerdings steht die Abkürzung hier nicht für „Death Of Autotune“, sondern für „Dinner On Arrival“. Und was es bei Brotha Lynch Hung zum Dinner gibt, kann sich wohl jeder denken – Menschenfleisch. Durch ein mystisches Klavierspiel im Hintergrund und ein paar Soundeffekten, die aus einem Horror-Film stammen könnten, kommt die passende Atmosphäre auf, die die kannibalistischen Fantasien von BLH gut unterstützt. Besonders sein gut verständlicher Rap Style muss hier hervorgehoben werden, was einen als Fan natürlich freut. Mit dem extrem dunklen und fast schon unheimlich polternden „Sit In That Corner B**ch!“ geht es in gewohnter Manier weiter, bevor man etwas später „I Tried To Commit Suicide“ weitergeht. Dieser Track ist sehr persönlich, dreht sich um die privaten Rückschläge von Brotha Lynch Hung und die verzweifelte Lage, in der er sich befand. Musikalisch wieder einmal perfekt unterlegt. Geheimnisvoll und düster sind die Melodien gehalten, die einen recht schwachen Beat begleiten, Glockenschläge tun ihr Übriges, um das Ganze perfekt abzurunden.

Bis hierher muss man das Strange Music Debüt von Brotha Lynch Hung als wirklich gelungen bezeichnen, denn nicht nur die Produktionen sind größtenteils top, auch er selbst ist sich treu geblieben. Allerdings muss man die vielen Skits, die doch bald nerven kritisieren, noch dazu wurden an die meisten Songs noch einmal extra Skits angehängt, auf denen dann die Features vertreten sind. So bekommt Lynch Hung zwar die volle Spielzeit der Lieder oft für sich alleine, dass man aber fast schon gezwungen wird das viele Gelaber anzuhören, trübt die Freude etwas. Die Single „Meat“ dürfte der ein oder andere sicher schon kennen. Hier dreht es sich nicht direkt um Fleisch, sondern eher um die Situation wie es ist, kaum etwas zu essen zu haben. Neben den sehr gut vorgetragenen, nachdenklich stimmenden Lyrics, macht besonders das traurige Instrumental einen perfekten Job, um die inhaltliche Dramatik gut zu vermitteln. Ab hier kehrt gleichzeitig auch etwas mehr Abwechslung ein, was besonders den Sound betrifft. Das etwas flottere, dennoch nicht minder harte „Siccem!“ zusammen mit den alten Homies First Degree The D.E. und G-Macc zieht einen mit seinem freaky Style schnell in den Bann, danach bekommt man die erste und einzige Kollabo mit Tech N9ne auf „Don’t Worry Momma, It’s Just Bleeding“ zu hören. Neben Tech ist erneut First Degree, aber auch Krizz Kaliko mit am Start. Treibende Drums unbehagliche Violinen prägen während der Strophen den Sound, im Refrain kommt der von Strange Music bereits öfter benutzte Opern mäßige Stil zum Tragen, bei dem natürlich Kaliko eingesetzt wird. Die Raps kommen von allen Beteiligten recht schnell, was insbesondere bei dem eingespielten Team Tech N9ne/Krizz Kaliko richtig fresh klingt, aber eigentlich kann man für den ganzen Track nur lobende Worte finden.

Mit mächtig Wums donnert „I Plotted (My Next Murder)“ um die Ecke, wieder so ein Banger, den man von der West Coast einfach erwartet, besonders der pompös, aber gleichzeitig auch düster gestaltete Refrain ist dabei ein Schmaus für die Ohren. Brotha Lynch Hung liefert wie immer eine tolle Horror-Show, fast schon schade, dass der Zauber nach etwas mehr als 3 Minuten schon vorbei ist. Qualitativ ähnlich gut wären die darauffolgenden „Nutbagg“ und „I Heard That Song B 4“ (feat. C-Lim, Tallcann & COS), die ausnahmsweise nicht ganz so hart und böse rüberkommen wie der Rest, allerdings nicht zu den großen Hits gezählt werden dürfen. Als letzten Song darf man „Anotha Killin“ im Empfang nehmen, eine Zusammenarbeit mit weiteren Veteranen aus Kalifornien und zwar keine Geringeren als Snoop Dogg und Tha Dogg Pound. Hier geht es eher in die übliche Gangsta Rap Schiene anstatt beim Horrorcore zu bleiben, was bei diesen Gästen aber nicht verwunderlich ist. Leider ist die Produktion eher mittelmäßig, plätschert unspektakulär vor sich hin und wird nur durch die Performances der vier noch halbwegs gerettet, sodass man von einem ordentlichen Stück reden kann, das aber im Vergleich zum Rest des Album ein bisschen wie ein Fremdkörper wirkt. Den Abschluss findet „Dinner And A Movie“ mit gleich zwei Skits – das muss doch nicht sein…

Es steckt überraschend wenig Strange Music in diesem Album, doch genau das macht es interessant. Tech N9ne und Travis O’Guin ließen Brotha Lynch Hung die Möglichkeit sich so zu entfalten, wie er es mochte, was sich in einer spürbaren Leidenschaft für die Musik niedergeschlagen hat. Alte Fans von BLH werden daher mehr als zufrieden mit „Dinner And A Movie“ sein, die üblichen Strange Music Anhänger dagegen werden von den teils sehr extremen Fantasien eventuell etwas abgeschreckt, aber mit seltsamen Typen kam man ja bisher immer gut zurecht.

Verwandte Artikel

  • Keine verwandten Artikel gefunden

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a