Das sechste Kapitel von „Die Firma“

Küstler:
Die Firma
Redaktions-Wertung:
Titel:
Das sechste Kapitel
Release:
28. Mai 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Sie sind ein Stück Urgestein des deutschen Hip Hop und wurden einst in einem Atemzug mit Acts wie „Fettes Brot“ und „Fünf Sterne deluxe“ genannt: Die Firma! Jetzt melden sich Tatwaffe (Alexander Terboven), Def Benski Obiwahn (Ben Hartung) und Fader Gladiator (Daniel Sluga) nach längerer Chart-Abstinenz zurück und schlagen ein neues Kapitel auf. Um genau zu sein „Das sechste Kapitel“.

Und dafür haben sie sich Unterstützung geholt. Ein 50-Mann-starkes Orchester begleitet die Raps der Kölner Jungs und macht das Album zu einer musikalischen Schatztruhe, der man sich nicht mehr entziehen kann. Das wird schon beim Opener „Stille“ deutlich. Der Track beginnt mit sanften Streichern, die sich nach und nach aufbauen und die Außenwelt Ton für Ton ausblenden. Die Stimmen von Tatwaffe und Def Benski Obiwahn legen sich wie eine Decke über das melodiöse Bett und lassen einen nahezu endlos die Repeat-Taste drücken. Es folgt „Jetzt“, eine etwas lockere Nummer, die angesichts des Vorgängers fast etwas fad erscheint. „Keiner weiß was kommt“ zeigt sich dagegen etwas eingängiger.
Nr. 4 auf dem Album ist „Sonnenbrille“. Ein Song, der auf den zweiten Blick durch die getönten Gläser seine wahre Intensität entfaltet und die lyrische Stärke von Tatwaffe beweist. An fünfter Stelle folgt die Prelude zum sechsten Song „Verbrechen lohnt sich nicht“. Nach „Stille“ einer der stärksten Songs des Albums, der dank schneller Rhythmen und der orchestralen Begleitung sofort ins Ohr geht. Track Nr. 7 ist schonungslos offen, wie es schon der Titel „Realität“ vorgibt.

Danach wird es mit der Prelude zu „Traum“ wieder etwas ruhiger. Im lässigen ¾ Takt rappen die Jungs über Freiheit und den Glauben an sich selbst und leiten sanft zu „Spruchreif“ über. Der Track zeigt sich besonders im Refrain melodiös und gehört zur ruhigeren Sorte. „Alles“ ist das genaue Gegenteil und könnte mit der inhaltlichen Wollust fast zu einer der Todsünden zählen. Es folgen „Schwarzer Regen“ und „Attentat“, zwei etwas düstere Songs mit schnellen Raps zu ungewöhnlichen Grooves.

Track 15 „Ich seh Dich gehen“ wird erneut von einer Prelude eingeleitet und trifft einen textlich wie ein Schlag ins Gesicht. Im Refrain ist erstmals eine Frauenstimme zu hören, die perfekt mit dem Orchester harmoniert. „First Class“ ist dann wieder eine schnellere und leichtere Nummer, auf die „Elefant“ folgt. Ein gewöhnungsbedürftiger Song, der so gar nicht ins „sechste Kapitel“ passen will. Bei „Ich brauch keinen“, dem vorletzten Song, mischt Curse mit und ist damit der einzige Gastrapper auf dem Album. Das Lied hebt sich allerdings nicht sonderlich von der Masse ab und bleibt unscheinbar. Den Abschluss bildet „Schlaf“, ähnlich hypnotisierend wie „Stille“ und sanft wie nie.

Was kommt nach dem Tod? Was bleibt übrig? Mit „Das sechste Kapitel“ hat Die Firma in jedem Fall einen musikalischen Nachlass des besonderen Art geschaffen. Ehrlich, ungeschönt, hinterfragend. Ein Stück Hip Hop, das förmlich nach Fortsetzung schreit.

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1 Kommentar

  1. Ja das Album ist echt stark, da haben die Jungs was ganz besonderes gezaubert. Gefällt mir.

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