C.O.L.O.R.S. von „SL Jones“

Küstler:
SL Jones
Redaktions-Wertung:
Titel:
C.O.L.O.R.S.
Release:
9. Oktober 2008
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

sl-jones-colors-cd-bewertungendeÖfter mal was Neues. Das muss sich auch Killer Mike gedacht haben, als er SL Jones, ein Mann aus dem Rap-Niemandsland Arkansas unter Vertrag bei seinem Label Grind Time Official nahm. Der Junge aus Little Rock durfte bereits bei Mike’s 2008er Album „I Pledge Allegiance To The Grind II“ mitwirken und zeigen was er kann, nun steht also auch sein Solo-Debüt in den Läden. Für einen Newcomer ist die Gästeliste dabei fast schon unglaublich, denn neben Killer Mike tummeln sich hier unter anderem South Größen wie Chamillionaire, Gangsta Boo, Trae, Clipse, Gangsta Pill und viele weitere, die helfen, das 21 Track starke „C.O.L.O.R.S.“ lyrisch etwas aufzupeppen. Die Produzentenriege dagegen ist zwar recht unbekannt, macht dennoch einen sehr ordentlichen Job.

Nach einem anderthalb minütigen Intro bekommt man mit dem ersten Song „Sags-N-Flags“ gezeigt, wie es in Arkansas Hip Hop mäßig so abgeht, nämlich eher dunkel und kraftvoll, was SL mit einem lässigen Flow gut ausnutzt. „In My Blood“ bestätigt dies, kommt fast schon etwas unheimlich daher, verbreitet also eine perfekte Atmosphäre, die besonders Fans von Rap aus Memphis liegen dürfte. Chamillionaire gibt sich auf „Southern Boys“ die Ehre. Hier donnern tiefe Beats begleitet von imposanten Bläsern und Operngesängen auf einen zu und versetzen einen schon fast in Ehrfurcht. Sowohl SL Jones als auch Cham rappen hierzu sehr engagiert, schnell, aber auch gut verständlich und eher ernst – klasse! Um davon wieder etwas runter zu kommen eignet sich ein ruhiger Track am Besten. Und einen solchen bekommt man mit dem chilligen „PostUp“ zu hören.

Sehr melodisch und mit einem Groove ausgestattet, den man schon als clubtauglich bezeichnen kann, zeigt SL Jones, dass er auch mehrere Facetten zu bieten hat, allerdings rappt er für meinen Geschmack etwas zu lässig über dieses doch recht flotte Instrumental. Etwas trauriger hingegen wirkt die Kollabo mit Mac Boney und C Dubb auf „Brang It 2 U“, bei der neben mächtigem Beat mit sehr emotionalen Violinen aufgefahren wird, was die Stimmung natürlich perfekt vorantreibt. Ein bisschen Texas Style brachte Houston Rapper Trae bei „On Everythang“ mit. Gediegene und sehr chillige Klänge, die zum großen Teil von der E-Orgel stammen, aber auch ein paar moderne Synthesizer-Effekte beinhalten, untermalen die Rhymes von SL Jones, Trae und Killer Mike, die alle zu überzeugen wissen, besonders Trae mit seinem rauen Organ passt hier sehr gut.

Die zweite Hälfte von „C.O.L.O.R.S.“ wird mit dem „Tour Of My Jeans“ GMix eingeleitet. Hier trifft man auf einen sehr elektronischen Sound. Schnelle Melodien dazu kommen noch ein paar Trompeten, die insgesamt einen wirklich mitreißenden Smash kreieren. Besonders die Raps von SL und Feature B.Simm begeistern einen hier, da sie so schnell abgefeuert werden, dass man teilweise kaum mitkommt. Eher schlicht und brachial ist der Eindruck, den „Superhead“ hinterlässt. Die Produktion ist nicht wirklich spektakulär, aber hier kommt es auch eher auf die Riege an MCs an, die neben SL Jones auch Nario, Killer Mike, Legacy, Alizee und Gangsta Boo umfasst. Einen der besten Track findet man mit „Keeps Get’n Better“ vor. Er klingt fast ein bisschen nach Musik aus den 60ern, was an auch an den fröhlichen Hintergrundgesängen liegt. Insgesamt macht dieser sowohl chillige als auch sehr frische Track wirklich Spaß, schade dass er nicht einmal 3 Minuten dauert.

Neben einem freshen Jay-Z Vocal-Sample hört man auch die Jungs von The Clipse auf „#1 Supplier“. Insgesamt ist der Track recht minimalistisch gehalten, eigentlich sind nur ein penetrant hämmernder Bass und ein paar Claps wahrzunehmen, dafür kommen die coolen Verse der drei gut zur Geltung. Auch etwas R’n’B kommt auf „C.O.L.O.R.S.“ nicht zu kurz. „Thinkin Boutchu (Babygal)“ heißt das Stück, das mit smoothen und funky Soul-Grooves sofort zu gefallen weiß. Um mal etwas anderes auszuprobieren rappt SL hier im Whisper Style, aber auch seine Gäste um Bigg Slim, Tone Fury und Sam Crooke lassen es hier eher entspannt angehen. Zu guter Letzt gibt es mit „On Tha Low“ noch einen gescrewten Song und mit „A Hunnit“ (feat. Keisha Jackson, Grit Boys & 607) ein erneut sehr melodisches und verdammt chilliges Stück, das man sich sehr gut anhören kann.

Ohne großes Aufsehen zu erregen gelang SL Jones und der Grind Time Gang ein wirklich gelungenes Debüt, das man sich fast komplett ohne skippen anhören kann, sofern man auf den nicht all zu Mainstream mäßigen Sound aus dem Süden steht. 2-3 Durchschnittssongs muss man bei einer solch langen Tracklist natürlich in Kauf nehmen, aber im Großen und Ganzen weiß Arkansas‘ Finest zu überzeugen. Wem das letzte Album von Killer Mike gefallen hat, der dürfte auch hier richtig liegen, alle anderen sollten vorher vielleicht einmal reinhören.

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