Be von „Common“

Küstler:
Common
Redaktions-Wertung:
Titel:
Be
Release:
30. Mai 2005
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

common-be-cd-bewertungendeIn Zeiten, in denen es im Rap fast nur noch darauf ankommt wie viel Geld und Frauen man hat oder wer der größere Gangster ist, ist es immer mal wieder schön etwas Bodenständiges, Ehrliches und Reales zu hören. Am Besten sieht man sich hierzu in der Conscious-Szene um, in der sich mit Common aus Chicago ein wahrer Meister seines Fachs befindet. Seine ersten Major-Alben waren nicht unbedingt jedermanns Sache, doch als er zu Kanye West’s Label GOOD Music wechselte, durfte man doch einiges erwarten. Mit Kanye hat Common genau den Producer, der wie für ihn geschaffen ist, denn seine melodischen und souligen Beats unterstreichen wunderbar die intelligenten Rhymes. Neben Kanye West steuerte auch J Dilla (R.I.P.) noch zwei Instrumentals bei, für die das Selbe gilt.

Schon der Introsong „Be“ macht verdammt viel Freude auf das folgende Album. Dieser beginnt mit einer chilligen und einfach wunderbaren jazzigen Melodie, die schon ordentlich groovt, wenn Common zu rappen anfängt dann zum echten Ohrenschmaus wird. Auf „The Corner“ wird Common von Kanye West und The Last Poets lyrisch unterstützt. Der Beat ist recht schlicht und hat einen gewissen Old School Touch, kommt daher nicht wirklich spektakulär rüber, aber passt gut zu Common’s Flow, leider wirken seine Gäste hier eher Fehl am Platz, weshalb man den Track zu den schwächeren zählen kann. „Go“ hingegen besticht wieder mit alten Tugenden. Das Instrumental ist eher ruhig, dennoch wunderbar und angenehm anzuhören und bekommt durch die Scratches seinen letzten Schliff. Common hier zuzuhören macht wieder einmal richtig Spaß, doch auch die Backgroundgesänge von John Mayer und Kanye fügen sich gut mit ein.

Eines der absoluten Highlights findet man mit „Testify“. Der tiefe Bass , die Snares, die Drum und das Klavier erzeugen tolle Klänge und eine schöne daraus resultierende Atmosphäre. Common rappt dazu mal etwas bissiger, was er auch echt gut drauf hat, doch besonders der inbrünstig gesungene Refrain hat es mir hier richtig angetan. Etwas flotter und auch wieder ein musikalischer Traum wäre „Chi-City“, eine Hommage an die Heimatstadt, für die sich die beiden Chicagoer Common und Kanye West selbst übertroffen haben. Durch ein Trompetenspiel, das mit Scratches, Schlagzeug und ein paar Funk-Elementen gekreuzt wurde, entsteht ein unglaublich gutes Instrumental, was von einem Routinier wie Common natürlich ausgenutzt wird, doch auch Kanye’s Gesang am Ende ist eine echte Wucht .

„The Food“ hat einen etwas dunkleren Klang, was auf den doch eher ernsten Inhalt mit dem Struggle der Straßen zu tun hat. Es wirkt jedoch nicht bedrückend, sondern eher positiv emotional. Klingt komisch, ist aber so. Das ist eben mehr als nur Musik, es ist echte Kunst. Wieder die etwas jazzige Richtung schlägt „The People“ ein. Ein enormes Aufgebot an akustischen Instrumenten sorgt für schöne Grooves und tolle Vibes, wozu Common’s smoothe Stimme natürlich grandios passt. Man könnte fast meinen dieser Song entstamme Guru’s „Jazzmatazz“ Reihe. „They Say“ versprüht nicht nur durch den Auftritt von John Legend einen souligen Flavor, man spürt einfach in jeder Sekunde der Laufzeit dass Common, Kanye und John hier ihre volle Leidenschaft hinein gesteckt haben. Den Abschluss von „Be“ macht die J Dilla-Produktion „It’s Your World“. Auch dieser Track ist eher von der entspannten Sorte, bekommt aber durch Common’s Verse und den schönen Gesang von Bilal und Lonnie Lynn im Chorus seine gewisse Dynamik und Emotion, sodass man sich wünscht, dass dieses Album noch ewig weitergeht, doch leider, leider schon endet.

In „Be“ steckt wirklich von der ersten bis zur letzten Sekunde Kreativität, Seele und Liebe zur Musik. Egal ob Common’s wie immer mehr als gelungene Texte oder die traumhaften Instrumentals von Kanye West und J Dilla, alles passt hier einfach perfekt und lässt ein smoothes und intelligentes Album entstehen, das man sich am Besten anhört, wenn man mal vom üblichen Chart Hip Hop abschalten will und einfach mal wieder was für Herz und Hirn braucht. Ein Werk wie dieses sollte eigentlich in jeder Rap-Sammlung zu finden sein, ist es jedoch leider nicht. Ich hoffe diese Rezension trägt dazu bei, dies zu ändern.

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