Battle Of The Sexes von „Ludacris“

Küstler:
Ludacris
Redaktions-Wertung:
Titel:
Battle Of The Sexes
Release:
12. März 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Ursprünglich war „Battle Of The Sexes“ als Kollabo zwischen Ludacris und Shawnna geplant, doch aufgrund diverser Differenzen und dem Abgang der Rapperin aus Chicago zu T-Pain’s Label Nappy Boy, wurde kurzerhand ein neues Solo Album des Luden aus Atlanta, Georgia daraus gemacht. Nachdem sich Luda’s Fans nur schwer an seinen etwas seriöseren Style, den er seit 2006 pflegte, gewöhnen konnten, mit dem Vorgänger „Theater Of The Mind“ allerdings ein kreatives und abwechslungsreiches Werk geboten bekommen haben, geht es nun wieder genau in die andere Richtung, quasi back to the roots, denn Ludacris packt hier wieder die freche Schnauze aus, die mit expliziten Lyrics nur so um sich wirft. Auch die Produzenten und Features sind nun wieder mehr auf Down South Rap abgestimmt, man darf als gespannt sein, ob Luda mit „Battle Of The Sexes“ an seine Glanzzeiten anknüpfen kann.

Den Anfang der Lieder macht die bereits bekannte Single „How Low“, produziert von T-Minus, den man hauptsächlich von Cash Money kennt. Der knochenharte Beat ist ein echte Brett, bringt sowohl die Crowds der Tanzflächen als auch Lowrider zum Bouncen, durch wechselnd einsetzende Synthie Effekte und eine Computerstimme kommen noch Elemente dazu, die dafür sorgen, dass es nicht langweilig wird und zu guter Letzt wäre da noch Luda, der mit schnellen und dreckigen Rhymes zeigt, dass er wirklich wieder wie früher klingt. Ähnlich kraftvoll, aber weniger spektakulär, geht es mit „My Chick Bad“ weiter. Besonders der Screw Hook bleibt hier im Ohr, ansonsten wirkt der Track leider etwas eintönig. Als Gast ist Newcomerin Nicki Minaj dabei, von der sich sicher immer noch viele fragen, wie ihr Plattenvertrag gerechtfertigt ist. Im hinteren Teil des Albums gibt es auch noch einen Remix dazu, dessen Instrumental genau das selbe ist wie hier, lediglich die Features wurden mit Diamond und Eve ausgetauscht, im Großen und Ganzen also ein recht unnötiger Track. „Everybody Drunk“ zeigt das zweite der nicht gerade einfallsreichen Themen: Party. DJ Montay vom Oomp Camp schmiedete ein South typisches Instrumental, dessen Bass die Boxen zum Beben bringt und eine etwas dunklere Note mit sich bringt. Die Texte von Luda und Gast Lil Scrappy sind schlicht gesagt zum Vergessen, da hätte man aus der guten Produktion sicher mehr rausholen können, dafür kommen ihre Flows jedoch schnell und flüssig, freshes Detail am Rande: die Vocal Samples von Legende 8Ball. Die Anfangsphase seiner neuen Platte hat Ludacris also mehr oder weniger ordentlich über die Bühne gebracht. Zwar liefert er nichts Bahnbrechendes, aber wer sich mit Rap aus den Südstaaten anfreunden kann, wird nicht viel zu meckern haben.

Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden, kommen wir gleich zum Punkt: von nun an geht es stetig bergab. Den Anfang macht „I Do It All Night“, das nicht nur musikalisch stinklangweilig klingt, auch Luda wärmt alte Bettgeschichten, die keinen interessieren, einfach neu auf. Noch schlimmer wird es mit „Sex Room“. Hier hat man versucht ein bisschen Schlafzimmeratmosphäre in die Tracklist zu zaubern. Softe R’n’B Tunes, die in Kitsch kaum zu überbieten sind, dazu kommt ein weinerlicher Gesang von Trey Songz, der auch alles andere als gefühlvoll oder gar romantisch ist, welches Thema Ludacris mal wieder auf den Lippen hat, sollte sich jeder denken können – furchtbar! Etwas peppiger ist „I Know You Got A Man“ gestaltet. Hier kommt ein Standard Synhtie Beat zum tragen, der zwar im Vergleich zu „Sex Room“ ein kleiner Lichtblick ist, letztendlich aber auch nichts Besonderes darstellt, sondern eher nach B-Klasse Produktion klingt, die man schon gefühlte 1000 Male zu hören bekommen hat. Das Thema des Fremdgehens, welches mit Flo Rida vorgetragen wird, mag zwar etwas Neues sein, im Endeffekt dreht sich aber auch wieder alles um das Eine. Einen der wenigen Lichtblicke der zweiten Albumhälfte bringt Luda mit „Hey Ho“. Ähnlich wie bei „How Low“ wird hier auch mit brachialem Bass der Staub aus Boxen und Ohren gepustet und das in sehr lässigem Tempo. Überraschend ist hier die gelungene Performance von Lil‘ Kim, die man sich gut anhören kann. „Party No Mo'“ mit Gucci Mane soll den Style fortführen, doch es wirkt eher wie ein billiger Abklatsch, reißt weder mit, noch ist es in irgendeiner anderen Art und Weise wirklich interessant – ein Sinnbild für so viele Tracks von „Battle Of The Sexes“. Es ist wirklich eine Enttäuschung was Ludacris hier abliefert, auch die restlichen Lieder sind bis auf die Ausnahme von „Can’t Live With You“ (feat. Monica), das den einzig wirklich gelungenen R’n’B Song der LP darstellt, entweder langweilig, völlig belanglos oder unerträglich schmalzig und benötigen daher auch keiner näheren Betrachtung mehr.

Mit seinem letzten Album hatte sich Ludacris gereift und weiterentwickelt präsentiert, mit „Battle Of The Sexes“ wirft er das völlig unnötig wieder alles über den Haufen und verfehlt dabei sogar das Thema. Denn anstatt einem Kampf der Geschlechter, werden hier abgedroschene Klischees bedient, die Schuld dafür sind, das Hip Hop in der Öffentlichkeit einen nicht mehr all zu guten Ruf hat. Abgesehen von der lyrischen Seite stimmt auch die musikalische nicht. Billige Massenproduktion ohne jegliche frische Ideen, dazu schlecht gewählte Features – hier kommt wirklich alles zusammen, wirklich schade, denn Luda stand bisher für Qualität und hatte daher auch viele Fans außerhalb des dreckigen Südens. Wem die Singles gefallen haben, der kann hier ruhig mal rein hören, alle anderen, die ein gutes Rap Album erwarten, sollte lieber einen weiten Bogen um „Battle Of The Sexes“ machen und auf eine Steigerung beim Nachfolger „Ludaversal“ hoffen.

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