Kritik | Automatic von “Cognito”

Küstler:
Cognito
Redaktions-Wertung:
Titel:
Automatic
Release:
4. Juni 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:
Web:
keine Angaben

Mit dem überraschend starken neuen Album „Dinner And A Movie“ von Brotha Lynch Hung bewiesen Tech N9ne und Travis O’Guin, dass das Projekt Strange Music West geglückt ist, nun liefert mit Cognito ein weiteres neues Label-Mate aus Kalifornien sein erstes Album „Automatic“ für die neue Plattenfirma ab. Blickt man zurück in die Vergangenheit des Rappers aus Fairfield, so wird man auf einen großen Namen stoßen: Master P. Die Südstaaten-Legende erkannte damals als erster Cognito’s Talent und lies ihn 2006 sein Debüt „Recognition“ veröffentlichen. Nach ein paar Jahren im Independent Bereich nun also der Deal mit Strange Music. Stellt sich die Frage, ob der Junge auch wirklich zu Tech N9ne’s Mannschaft passt.

Im Intro wird Cognito als neuer Artist vorgestellt, er selbst sagt, warum er bei Strange Music unterschrieben hat, danach startet das 14 Songs umfassende „Automatic“ mit dem Opener „I’m Goin‘ Crazy“. Der düstere Sound, Cognito’s hungriger Rapstyle und auch die Lyrics machen schnell klar, dass die Label Chefs bei Cognito einen guten Riecher hatten, denn er passt mit seinem Style perfekt ins Artist Roster. Die Single „Outcast“ folgt darauf, sollte Strange Music Fans schon länger bekannt sein. Cognito gibt uns Einblicke in sein Leben und seine Persönlichkeit, das Instrumental dazu klingt dank des mächtigen Beats und diversen Synthesizer-Effekten zwar kraftvoll, durch die Hintergrundmelodie, bei der u.a. Piano und Streicher eingreifen, wirkt das Gesamtbild jedoch gefühlvoll und nachdenklich und geht in Kombination mit Cognito’s Rhymes unter die Haut. Zusammen mit seinem Chef Tech N9ne und Bay Area Veteran B-Legit lässt Cognito seinen Gedanken über das Rap-Game von früher und heute in dem schlicht betitelten „Hip-Hop“ freien Lauf. Die Produktion kommt etwas im West Coast Style daher, hat Power, klingt hart und nicht zu verspielt, einfach Hip Hop in Reinkultur. Brotha Lynch Hung ist bei „Pill Poppin‘ Music“ mit von der Partie, ein Song, der vom Sound her ebenso abgedreht klingt, wie die Texte der beiden MCs, danach erreichen wir mit „Seven School Sins“ ein amüsant gestaltetes Stück, bei dem Cognito in Begleitung von einem flotten und lockeren Instrumental von seinen Aktivitäten als kleiner Satansbraten mit deftigen Sünden berichtet. Das Ende der ersten Albumhälfte wird von dem wuchtigen und sehr elektrisch gestalteten „Violated“ besiegelt, bei dem besonders Krizz Kaliko heraussticht. Wir wissen zwar schon längst, dass seine Hooks nicht schlecht sind, so gut wie hier gelingt es ihm jedoch nicht all zu oft.

„Born 2 Be Fly“ (feat. Tech N9ne & Krizz Kaliko) ist lyrisch lediglich dazu da, um mit dem Lifestyle zu posen, dafür bringt es musikalisch einige Abwechslung ins „Automatic“, was in erster Linie an E-Gitarrenriffs liegt, die das Ganze rockig gestalten, wozu sich die schnellen Raps der Jungs super anhören, der Refrain hingegen wurde mit einer gescrewten und einer verzerrten Stimme eingespielt. Nach dem ebenfalls lockeren „I’m So High Part 2“ folgt mit „Depression“ wieder ein anspruchsvollerer Song. Der Beat groovt angenehm und entspannt vor sich hin, besonders der Refrain ist dabei unglaublich smooth gestaltet, dennoch kann eine gewisse dunkle Note nicht verborgen werden, die besonders durch Cognito’s diesmal recht ruhigen Flow hervorgehoben wird. An „Pain“ erkennt man schon am Namen, dass es hier sicher ernst zur Sache geht, so ist es dann tatsächlich auch. Behäbig und traurig, dazu kommt ein mystischer Touch, was alles zusammen eine wirklich großartige Mischung ergibt, die die Message optimal zum Hörer transportiert, erneut ist es Krizz Kaliko, diesmal mit Gospel Flavor, der als die passende Würze den Song abrundet. Schwungvoll und lässig präsentiert sich die temporeiche Gitarrennummer „I Live Life“, ähnlich ist „Hollywood“ (feat. Cait La Dee), nur ohne Gitarre. Sein großes Finale findet „Automatic“ mit „Stranger“, bei dem sich die Strange Music Kollegen Tech N9ne, Kutt Calhoun und Big Scoob die Ehre geben, außerdem sind noch Loki und der neue Ruthless Records Shooting Star Stevie Stone mit an Bord. Düster, böse und unheimlich pumpt das Instrumental, verbreitet von Beginn an sein Flair, da ist es für die Jungs am Mic ein Leichtes, einen guten Track daraus zu machen, besonders Tech N9ne bietet einen starken Auftritt.

Für viele dürfte es wohl eine große Überraschung sein, dass „Automatic“ so gut geworden ist, selbst ich hätte nicht damit gerechnet. Von Anfang bis Ende können Vocals und Instrumentals überzeugen, grobe Schnitzer leistet sich Cognito nicht, sondern bietet  ein abwechslungsreiches und sehr unterhaltsames Werk, das so manch anderen Strange Music Release aus der Vergangenheit in seinen Schatten stellt. Fans von Tech N9ne werden die Platte sicher schon längst auf dem Zettel oder sogar schon im CD-Regal haben, aber auch diejenigen, die bisher nicht so viel mit Strange Music am Hut hatten, aber trotzdem auf der Suche nach etwas härterem Stoff abseits des Mainstreams suchen, sollten Cognito eine Chance geben.

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