Kritik | Apollo Kids von „Ghostface Killah“

Küstler:
Ghostface Killah
Redaktions-Wertung:
Titel:
Apollo Kids
Release:
21. Dezember 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Stolze 10 Jahre ist es her, als Ghostface Killah mit „Apollo Kids“ einen der Banger von „Supreme Clientele“ als Single auskoppelte, wenige Tage vor Weihnachten 2010 kam dann ein ganzes Album mit diesem Titel, der uns ein wenig in Erinnerungen schwelgen lässt. Nachdem so ziemlich alle seine Platten für Def Jam einen gewissen Hang zum Mainstream nicht verbergen konnten, wollte der mittlerweile 40-jährige Rapper aus Staten Island mit „Apollo Kids“ wieder einen Schritt zum klassischen Wu-Sound gehen und das völlig ohne die Mithilfe von RZA, Mathematics, True Master, 4th Disciple oder Bronze Nazareth, sondern mit bis auf Pete Rock, Jake One und Sean C & LV eher unbekannten Producern. Ob und wie gut dies gelang, checken wir jetzt.

Schon wenn man die Features vom Opener „Purified Thoughts“, nämlich Killah Priest und GZA, auf dem Backcover liest, bekommt man richtig Lust auf den Track. Geschmiedet wurde dieses Stück von Frank Dukes, ein Name, den man sich ab jetzt merken sollte. Sofort mit den ersten Klängen merkt man die Liebe zum Samplen, was auf dieser Platte noch sehr oft der Fall sein wird. So gesellen sich zu den kräftigen Drums ein paar Soul-Klänge, woraus ein smoothes Stück mit viel Energie entsteht. Ghostface zeigt sich hungrig am Mic und auch die Kollegen lassen selbstbewusst ihre Stärken raushängen. Völlig anders, jedoch nicht minder gut ist „Superstar“. Hier wurden Samples aus „He’s A Superstar“ von Ron Ayers verbaut, was einen funky Groove im Style der 70er Jahre zur Folge hat und uns ein wenig an Haudegen wie Shaft erinnert. Neben dem GFK ist hier Busta Rhymes mit von der Partie, der sich mit einem gelungenen Auftritt als zweiter Pimp neben dem Gastgeber präsentiert. Frank Dukes (ich hoffe, der Name ist noch ein Begriff) produzierte mit „Black Tequila“ einen weiteren echten Smash, der den Staub so richtig aus den Boxen donnert. Mit mächtigem Beat, krachenden E-Gitarren und ein paar Vocals aus alten Bollywood-Schinken geht schon das Instrumental unglaublich gut ab, reißt vom ersten bis zum letzten Takt mit seiner Power mit. Wie wir es gewohnt sind, sind erneut ein paar Features mit am Start, hier in Person von  Trife Diesel und Cappadonna, die mit Mafioso-Rap begeistern können. Auch „Drama“ geht in die Gangsta-Sparte, ist leider weniger spektakulär. Ein dumpfer Bass und viel E-Orgel-Einsatz sorgen für eine entspannte Grundlage, die aber bald schon etwas eintönig wird. Neben dem Ghost kann Joell Ortiz mit einer ordentlichen Performance punkten, während einem bei The Game am Mikro fast die Füße einschlafen. Die Lead-Single „2getha Baby“ ist einer von nur drei Solo-Tracks von „Apollo Kids“. Inhaltlich geht es um nicht mehr als eine Lady nach der anderen flachzulegen, auch musikalisch haut der Song einen nicht aus den Socken.

Während der Strophen wird ein wenig abwechslungsreiches Trompeten-Loop abgespielt, dafür gibt’s dann im Refrain ein altes, jedoch erneut freshes Soul-Sample aus den 60ern. Futuristisch und spacig kommt „Starkology“ rüber, das neben ein paar R2D2-Sounds besonders auf einen kraftvoll pumpenden Bass, etwas Schlagzeug-Unterstützung und eine dunklere Gesamtstimmung setzt. Ganz nett anzuhören, aber kein Banger. Das wäre eher bei „In Tha Park“ der Fall. Producer ist – man kann es sich sicher schon denken – wieder einmal der gute Frank Dukes. Das Stück klingt fast wie eine 1:1-Kopie der Vorlage, nämlich „I’m Alive“ von Johnny Thunder. Dieser Titel wird vielen sicher nichts sagen, doch sobald man die ersten Takte der E-Gitarre zu hören bekommt, wird man diese Melodie sofort irgendwo her kennen. Natürlich wurde das Ganze etwas aufgepeppt und poltert nun mit ordentlich Dampf auf uns zu, während Ghostface und Black Thought von The Roots über die Hip Hop Kultur im Big Apple sinnieren. Altmeister Pete Rock ist verantwortlich für „How You Like Me Baby“. Hierbei handelt es sich um einen flotten Song, der eingängig, melodisch und frisch ist und somit für gute Laune sorgt. Pretty Toney überzeugt mit lässigem Flow, um was es sich hier dreht erkennt man schon am Titel. Ähnlich sieht es bei „Handcuffin‘ Them Hoes“ aus, einer chilligen Porno-Nummer mit DipSet-Member Jim Jones, das man sich ganz gut anhören kann, jedoch nicht zu den ganz großen Highlights zählt. „Street Bullies“ ist dafür definitiv einer der Höhepunkte von „Apollo Kids“. Soul, Drama, Street-Flavor – all das verbindet dieser Track. Besonders überzeugend wird dies dann durch die engagierten Performances aller Beteiligten, zu denen sich neben Wiggs und D-Block Rapper Sheek Louch auch GhostDini’s Sohn Sun God hinzu gesellt. „Ghetto“ (feat. Raekwon, U-God & Cappadonna) hingegen bringt uns wieder den funky Sound der 70er, ein Style der nichtnur perfekt zu GFK passt, sondern auch sofort mit seinem Rhythmus in Mark und Bein übergeht. Zum Abschluss treffen wir auf „Troublemakers“, das mit seiner ruffen Art seinem Namen gerecht wird, noch einmal auf Ghostface Killah’s Cousin Raekwon und America’s Most Blunted Method Man & Redman, die ein starkes Album ordentlich ausklingen lassen.

Als Hip Hop und Black Music Fan kann man einfach nicht anders, als von „Apollo Kids“ begeistert zu sein. Die Produktionen sind oftmals erste Sahne, verbinden klassische Sounds mit modernen Beats, hinzu kommt Ghostface Killah, der seinen zweiten Frühling zu erleben scheint und auch die zahlreichen Gäste fügen sich gut ein. Nach Wu-Tang klingt dieses Album zwar nur selten, darüber kann man jedoch locker hinwegsehen. Insgesamt ist „Apollo Kids“ eines der besten Wu-Solos der letzten Jahre und damit empfehlenswert für alle East Coast- und GFK-Fans.

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