Kritik | Lemmy – The Movie

Wenn es in der heutigen Musikszene noch ein Original gibt, dann ist dies sicherlich Lemmy Kilmister. Der am 24.12.1945 geborene Brite steht seit weit über 40 Jahren auf den Bühnen dieser Welt; 1975 gründete er seine Band Motörhead, mit der er auch heute noch um die Welt reist, um für die unzähligen Fans harten, lauten und ehrlichen Rock’n’Roll zu spielen.

Nun wurde diesem eindrucksvollen Musiker ein filmisches Denkmal gesetzt. Wer übrigens von „Lemmy“ eine ausführliche Biographie in Filmform erwartet, wird enttäuscht: Bei dem Film handelt es sich vielmehr um eine aktuelle Momentaufnahme aus dem Leben dieses extrem authentischen Musikers. Über weite Strecken wird im Film das Leben von Lemmy selbst vorgestellt. Viele der Szenen entstanden in der Wohnung des Musikers, wo er dann zu den Fragen Stellung nimmt. In einer der schönsten Szenen des Films wird Lemmy zusammen mit seinem Sohn interviewt. Es verwundert den Zuschauer, wenn Lemmy dann stolz zugibt, dass sein Sohn das Wertvollste in diesem Raum sei – hier zeigt der Mann, der den Rock’n’Roll mitsamt seiner Attitüden lebt, Gefühle, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte. Aber auch solche Momente zeichnen das authentische Bild eines Mannes, der im gesamten Film bodenständig und sympathisch daherkommt.

Langjährige Weggefährten oder Musikerkollegen wie Dave Grohl (Foo Fighters) oder Slash (Ex-Guns’n’Roses) kommen auch zu Wort. Neben den privaten Einblicken zeigt der Film auch Bilder von Motörheads Touralltag, wobei die beiden anderen Bandmitglieder Mikkey Dee und Phil Campbell praktisch überhaupt nicht im Bild auftauchen, was durchaus überrascht.

Obwohl der Film sehr lang ist und ausführlich das aktuelle Leben des Künstlers beleuchtet, kommt die DVD in Deutschland in einer geschnittenen Version auf den Markt. Wie den meisten Fans bekannt ist, gilt Lemmy als begeisterter Sammler alter Nazi-Devotionalien, ohne selbst ein Anhänger jedweder rechtsgerichteter Ideologie zu sein; dieser Umstand wird im Film auch ausführlich gewürdigt, was allerdings für den deutschen Markt stark zensiert wurde. Eigentlich unverständlich – schließlich gehört dieser Aspekt auch zu Lemmys Leben.

Dennoch: Man merkt dem Film in jeder Sekunde an, dass er von Lemmy-Fans für Lemmy-Fans gedreht wurde. Es ist eine kurzweilige und amüsante Dokumentation über das wohl letzte verbliebene Original des Rock’n’Roll.

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