Kritik | Cancerboy von „Glitterbug“

Küstler:
Glitterbug
Redaktions-Wertung:
Titel:
Cancerboy
Release:
04. Mai 2012
LeserInnen-Wertung:

Die meiste Zeit seiner Kindheit hat Glitterbug aka Till Rohmann im Krankenhaus verbracht. Irgendwo zwischen Bestrahlungs- und Chemotherapie, zwischen Bangen und Hoffen, Leben und Tod. Sein Kampf gegen den Krebs hat ihn geprägt und findet auch in seinem dritten Studioalbum „Cancerboy“ Niederschlag. Es ist eine autobiographische und intime Reise, auf welcher der wagemutige und zeitlose Produzent eines der elementarsten Erlebnisse seines Lebens verarbeitet.

Dabei spricht er eine ganz individuelle musikalische Sprache, scheint immun gegen Hypes und saisonale Sub-Genre-Moden zu sein. Sein Sound bewegt sich nahtlos zwischen Deep Techno und abstrakter, intimer Komposition, ist immer emotional, ergreifend und nahezu plastisch visuell. Glitterbug kreiert einzigartige auditive Landschaften, elektroakustische Erlebnisse, gefühlsgeladen, einnehmend und voller Energie.

Dabei kratzt das Album an der Grenze des Bewusstseins. Entführt in die kalte, sterile Krankenhauswelt, in der Glitterbug so viel Zeit seines jungen Lebens vebracht hat. Offen, direkt und nah lässt er uns als Zuhörer daran teilhaben. „Cancerboy“ beinhaltet Musik, die sich erlaubt wütend und desolat zu sein, die kämpft und abweicht, die fordernd und mutig ist, jedoch in all ihrer Dunkelheit helle, hoffnungsvolle Momente hat, die eine tiefe Liebe zum Leben zelebrieren. Auch, wenn Glitterbug auf seinem Weg viele Menschen verloren hat, die den Kampf gegen den Krebs nicht gewinnen konnten.  „Cancerboy ist all meinen Schwestern und Brüdern in diesem Kampf gewidmet, sowohl den Überlebenden als auch den Gestorbenen. Es ist für all die Cancergirls und Cancerboys da draußen,“ so der Musiker.

Zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang auch das Video zu „Passages“. Während Glitterbug auf „Cancerboy“ den Platz zwischen Hoffnung und Tod näher betrachtet, folgt ihm Ronni Shendar im „Passages“ Video zu diesem traumhaften Ort, wo Erinnerungen an verlorene Freunde zu leben scheinen.’Passages‘, begibt sich auf eine Reise durch die Dämmerung in eine neblige, düstere Szenerie. Rostige Schiffe und todgeweihte Frachter erscheinen am Horizont. Es ist ein Ort des Unterbewusstseins:

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