Kritik | Yeezus von „Kanye West“

Küstler:
Kanye West
Redaktions-Wertung:
Titel:
Yeezus
Release:
18. Juni 2013
LeserInnen-Wertung:

Kein Cover, keine Tracklist, keinerlei Promotion – es gehört nicht viel dazu, um zu begreifen, dass „Yeezus“ anders ist. Anders als typische Hip-Hop-Alben, selbst anders als das, was man von Kanye West gewohnt ist. Das sechste Studioalbum von Mr. Provokation ist laut, progressiv, stark elektro- bis acid-lastig geworden und alles, nur kein Mainstream.

Keine einzige Single aus „Yeezus“ wurde vorab veröffentlicht – lediglich „New Slaves“  fand sich überdimensional und zeitgleich an 66 Häuserfassaden in 11 Metropolen der Welt wieder (unter anderem in Berlin). „Taking it back to the streets“, so das Motto der aufsehenerregenden Aktion. Die Folge waren ca. 6.000 Tweets pro Stunde und eine stetig wachsende Neugier auf das, was da am 18.06. kommen würde. So richtig wusste aber niemand, worum es sich dabei handelt. Anti-Vermarktung vom Feinsten oder vollkommen übertriebener Narzissmus? Bei Mr. West ist man sich da irgendwie nie so sicher.

Auch nach dem ersten Durchhören der Platte nicht. Kanye inszeniert sich – sowohl lyrisch als auch technisch – und lässt sich selbst nicht mehr viel Platz nach oben. Den klassischen Hip-Hop abgestreift – was man spätestens nach der „Watch the Throne“-Phase auch nicht anders erwartet hat – wendet sich der Musiker düstereren, teils von Synthesizern dominierten Tönen zu. Hier und da blitzt der Kanye durch, den man von „Graduation“ noch in Erinnerung hat. Zwischen all der radikalen, kompromisslosen Aggressivität verbergen sich ein paar lässigere Nummern wie „Blood On The Leaves“ oder „Bound 2“.

Die meiste Zeit zeigt sich der Rapper und Produzent aber experimentierfreudig, ziemlich angepisst, und liefert in gerade mal zehn Tracks eine mindestens doppelt so große Vielfalt. Auch, was Samples angeht. Denn die sind auf „Yeezus“ in großer Zahl vorhanden: Von Nina Simone über Capleton bis hin zu Kenny Lattimore. Ebenso wie Features (Kid Cudi, Justin Vernon, Chief Keef und sogar „God“).

Kanye West geht es bei diesem Album nicht darum, im Radio gespielt zu werden. Er will auch keine Millionen Exemplaren davon verkaufen. Und wie immer interessiert es ihn auch herzlich wenig, was andere zu seiner Studioarbeit zu sagen haben. Sein bewusster Rückzug, sein (fast schon) inszenierter Retro-Fokus auf die reine Musik, ist ein neuer Schritt. „We just made some real music. Like, back when I used to make albums, a couple years ago, we’d go away and work on the album for months or something. We’d always have to hold the album like August, or September or till the perfect moment“, so Kanye selbst über die ungewohnte Minimalistik, die dennoch natürlich auch einfach nur pure PR ist.

Man merkt und hört, dass in „Yeezus“ viel Arbeit und Zeit stecken. Jeder der zehn Songs stellt fast schon ein eigenes Sounduniversum dar. Eines, auf das man sich – ganz besonders textlich – auch einlassen muss. Entweder man mag Kanye West, oder eben nicht. Ebenso verhält es sich auch mit Album Nummer 6. Wobei man sagen muss, dass es sich definitiv lohnt, mehrfach auf „Replay“ zu drücken.

Deshalb soll an dieser Stelle auch das Tracklisting nicht fehlen. Hiervon kursierte in den letzten Wochen übrigens noch eine andere Version im Netz. Eine mit deutlich mehr Songs. Offiziell bestätigt wurde aber nichts, bis das Album zu haben war:

01. On Sight
02. Black Skinhead
03. I Am A God (Featuring God)
04. New Slaves
05. Hold My Liqour (Feat. Chief Keef)
06. I’m In It
07. Blood On The Leaves
08. Guilt Trip
09. Send It Up (Feat. King L)
10. Bound 2

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a