Kritik | We No Speak Americano von “The Drapers”

Küstler:
The Drapers
Redaktions-Wertung:
Titel:
We No Speak Americano
Release:
8. Oktober 2010
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Retro ist Kult. Nicht nur in der Mode, sondern auch in der Musik. Das wissen The Drapers sehr geschickt für sich zu nutzen, denn sie lieben den Sound der 30er bis 60er Jahre und interpretieren ihn äußerst tanzbar neu. Populärstes Beispiel dürfte das rund-um-die-Uhr-laufende „We No Speak Americano“ sein, das die Band in Zusammenarbeit mit Yolanda Be Cool & Dcup vorgestellt hat. Die Vorliebe für alte Musik haben beide Acts medienwirksam umgesetzt und damit weltweit Menschen begeistert.

Auf „We No Speak Americano“ sind 13 Tracks zu finden, die in die Zeit des Swings entführen und vergangene Jahre wieder gegenwärtig werden lassen. Klassiker wie „Nah Neh Nah“, „Puttin‘ On The Ritz“, „Bei mir bist du schön“ oder „The Beat Goes On“ haben auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrem Glamour verloren und bekommen durch The Drapers neues Leben. Wer Lust auf eine musikalische Reise in vergangene Epochen hat, ist mit dieser CD perfekt bedient. Mehr sollte allerdings nicht erwartet werden, denn die Berliner Band erfindet das Rad nicht neu. Eigentlich schade, denn Ansätze sich durchaus erkennbar und auch die Aufmachung des Albums ist gelungen.

Das reicht aber leider nicht. Teilweise wirken die Tracks etwas zu erzwungen. So als versuche man krampfhaft, an den clubtauglichen Stil von „We No Speak Americano“ anzuschließen. „Yakety Yak“ ist ein einziges Gehetze und das, obwohl das Original bereits recht temporeich ist. Der Charme ist bei der Neuauflage irgendwie abhanden gekommen. Auch „Ain’t She Sweet“, im Original von Gene Austin aus dem Jahr 1927, enttäuscht. Die Nummer ist zwar tanzbar, stimmlich können The Drapers aber nicht überzeugen. Der Sound ist auf Oldschool getrimmt, der teils schwere Beat harmoniert aber nicht immer mit den Vocals. Besonders „Puttin‘ On The Ritz“ klingt fast haargenau so wie „We No Speak Americano“. Ob es ein ebenso großer Charterfolg wird, ist fraglich. Die größte Enttäuschung ist allerdings „Bei mir bist du schön“. Nein, die Platte hat keinen Sprung, das soll so sein!

Für die nächste Mottoparty ist die Scheibe der Drapers sicher eine gute Wahl und auch wer auf Swing steht, dürfte an dem Album seine Freude haben. Für alle anderen wird die CD wohl eine Enttäuschung sein. Zu wenig Leidenschaft, zu viel Kommerz.

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2 Kommentare

  1. Dem kann ich nur teilweise zustimmen. Die Band besteht aus richtigen Musikern, Musiker denen man es ansieht und es auch spürt, dass ihnen die Musik was bedeutet und es ihnen Spaß macht ein Instrument zu spielen. Sie lassen das Gefühl wieder aufleben, dass Musik was mit Herz und jahrelanger Erfahrung, Arbeit und Können zutun hat. Warum nicht gute alte Musik mit einer Melodie und Flair dazunehmen? Ich finde es ist keine Enttäuschung, ein richtiger Musiker hat immer Leidenschaft und Kommerz vielleicht nur für die, die nicht hinter den Instrumenten stehen.

  2. Zwar kenne ich die CD von The Drapers nicht (noch nicht), aber was ich im Morgenmagazin des ZDF gestern und auch heute am 5.11.10 gehört und gesehen habe hat mir sehr gefallen.Auch das Publikum war echt begeistert. Ich denke, wenn die Band gut beraten und geführt wird (Management) dann wird sie auch länger Erfolg haben und ihren Weg machen. Das was sie im Fernsehen gezeigt hat war nicht nur klasse gespielt und vorgetragen sondern hatte Schwung und hat einfach Spaß gemacht mit Lust auf mehr – ich jedenfalls werde mir die CD kaufen und den Weg der Jungs verfolgen.

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