Kritik | R.E.D. von „Ne-Yo“

Küstler:
Ne-Yo
Redaktions-Wertung:
Titel:
R.E.D.
Release:
02. November
LeserInnen-Wertung:

Zugegeben, mit seinem letzten Longplayer „Libra Scale“ (2010) hat sich Ne-Yo nicht wirklich einen Gefallen getan. Zu hastig war sein Konzeptalbum arrangiert, zu viel von Ne-Yo selbst ist bei der Fokussierung auf das geplante Filmprojekt verloren gegangen. Mit einigen Auskopplungen wie „Beautiful Monster“ konnte er zwar dennoch punkten, aber an seine erfolgreichen Vorgänger-Alben konnte er nicht anknüpfen.

Davon lässt sich der Künstler, der in seiner recht jungen Karriere bereits über acht Millionen Longplayer und 23 Millionen Singles verkauft hat, aber ganz sicher nicht einschüchtern. Im Gegenteil. Ne-Yo legt nach. Und zwar mit seinem fünften Studioalbum“R.E.D.“.  Einem Titel, der für „Realizing Every Dream“ und eigene Erfahrungen des 30-Jährigen steht.

Ein paar Träume dürfte sich der Singer-Songwriter in den letzten Jahren bereits erfüllt haben. Aber das reicht ihm noch nicht. Sein größter Traum war schon immer die Musik und diesen hat er noch längst nicht aufgegeben. Besonders chart-technisch ist einiges möglich und das will er ausreizen. Mit „R.E.D.“ befindet er sich auf einem guten Weg, denn für dieses Album hat er sich deutlich mehr Zeit gelassen. Es wirkt überlegt, fast schon nachdenklich. Treibende Beats und elektronische Elemente kommen in überschaubarer Zahl vor, ansonsten besinnt sich Ne-Yo deutlich hörbar auf seine Wurzeln und schlägt eher leise Töne an. Pop und R&B stehen vermehrt im Vordergrund.

Zum Glück, denkt man sich da. Denn wirklich guter R&B ist selten geworden. Viele Kollegen von Shaffer Smith, so sein bürgerlicher Name, haben sich den kommerzielleren House- und Dance-Beats zugewandt. Die Texte wurden immer flacher, die digitale Bearbeitung immer gravierender. Gut, dass Ne-Yo zumindest ein wenig damit bricht. „R.E.D.“ ist auf jeden Fall um Längen besser als das enttäuschende „Libra Scale“. Ein weiterer Schritt in Richtung R&B wäre allerdings wünschenswert.

Denn dass er talentiert genug für das Business ist, hat Ne-Yo bereits mehrfach bewiesen. Als einer der begehrtesten Songschreiber der aktuellen Musiklandschaft hat er in den vergangenen Jahren diverse Kollegen seiner Zunft an die Spitze der Charts katapultiert: Neben #1-Hits für Beyoncé („Irreplaceable“), Rihanna („Take A Bow“) und Mario („Let Me Love You“) hat er unter anderem auch Celine Dion, Mary J. Blige, Usher, Kanye West, Lionel Richie und etlichen anderen Künstlern Songs auf den Leib geschrieben.  Höchste Zeit, dass also auch er selbst mal wieder den Thron der Charts erklimmt.

Bei „R.E.D.“ hat er deshalb mit dem norwegischen Produzenten-Duo StarGate und anderen Größen wie Harmony oder David Banner kollaboriert. Und auch bei den Songs hatte nicht nur er selbst die Hände mit im Spiel. An der zweiten Singleauskopplung „Let Me Love You (Until You Learn To Love Yourself)“ hat beispielsweise Sia mitgeschrieben. Neben ihr waren weitere Songwriter wie Robert S. Taylor, Mikkel S. Eriksen, Mike Di Scala oder auch Clayton Reilly am Album beteiligt.

Beim ersten Durchhören bleiben zwar wenige Songs im Kopf, dafür erweisen sich die einzelnen Titel als nachhaltig. Liebe ist eben doch ein Thema, über das Ne-Yo immer noch am besten philosophieren kann. „After this song you’re gonna love me for my honesty or you’re gonna hate me ..“ singt er im Opener „Cracks in Mr. Perfect“. Entscheiden kann hier jeder selbst.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a