Kritik | Hollywood Under The Knife von „The Opiates“

Küstler:
The Opiates
Redaktions-Wertung:
Titel:
Hollywood Under The Knife
Release:
21. Oktober 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Hollywood ist der Inbegriff von Schönheit, Macht und Erfolg. Aber auch ein Sinnbild für Oberflächlichkeit, falsche Freunde und den Drang nach ewiger Jugend. Wie viele daran zerbrechen, kann man nahezu täglich in den Nachrichten verfolgen. Auch The Opiates haben sich diesem Thema nun angenommen und Hollywood mehr oder weniger musikalisch seziert. Ihr „Hollywood Under The Knife“ beschäftigt sich mit sozialen Außenseitern und damit genau den Schattenseiten der Traumfabrik, über die eigentlich niemand sprechen will.

So erzählen Billie Ray Martin und Robert Solheim von sexuellen Fantasien, Geschlechtsumwandlungen, Möchtegern-Schauspielern, Casting-Shows, plastischer Chirurgie, Drogen und auch Selbstfindung. Sie liefern keine leichte Kost, verpacken sie dafür aber ansprechend als Dark Electronic Pop und Bleeps. Optisch wird das Album durch Bilder von Turner Price Gewinner Wolfgang Tillmanns ergänzt. Er hat Billie Ray bereits zweimal fotografiert und ist bekennender Fan ihrer Musik. Deshalb hat er für ihr Cover und Booklet sein gesamtes Archiv geöffnet. Billie und Robert hatten demnach freie Auswahl aus bisher unpublizierten Fotos. Die, die es letztlich geworden sind, erzählen von Schnelllebigkeit, von Vergänglichkeit und falschem Schein, aber auch von einer gewissen Tristesse und Einsamkeit. Hollywood ist eben nicht das, was viele glauben.

Dass jemand allerdings derart ehrlich das Messer ansetzt und den Mythos Hollywood offenlegt, das gab es bislang nur sehr selten. Ein ganzes Album gleich gar nicht. The Opiates schaffen es dennoch, kein hetzerisches Werk abzuliefern, sondern eher ein Stück Traurigkeit. Sie zeigen, welche Schicksale es direkt neben dem Walk of Fame oder dem Sunset Boulevard gibt, nur wenige Meter von Glanz und Glamour entfernt. Jeder Song auf „Hollywood Under The Knife“ beschäftigt sich mit einer anderen Lebensgeschichte. Mit Charakteren, die glauben, sich anpassen zu müssen, damit sie besser in die Hollywood-Gesellschaft passen. Was sie dafür in Kauf nehmen, sind Schmerzen, hohe Kosten und sogar gesundheitliche, wenn nicht tödliche Konsequenzen.

Bereits im März 2008 haben The Opiates eine EP mit dem Titel „Anatomy of a Plastic Girl“ veröffentlicht und der Titel hat es damals auch in deutschen Hörer-Charts geschafft. Nun ist er auch auf „Hollywood Under The Knife“ zu finden und reiht sich dort neben Songs wie „Reality TV“, „Silent Comes The Nighttime“ oder „Jalousies and Jealousies“ ein.

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