Kritik | Devotion von „Jessie Ware“

Küstler:
Jessie Ware
Redaktions-Wertung:
Titel:
Devotion
Release:
30. Oktober 2012
LeserInnen-Wertung:

Jessie Ware wurde eigentlich schon gehypt, bevor man auch nur einen ersten Ton von ihr gehört hat. Lauscht man „Devotion“, ihrem ersten Album, wird einem aber direkt klar, warum: Hier hört man die Zukunft des Pop und eine Dame, die einen steilen Weg vor sich hat. Die Mischung aus Soul, Melancholie, elektronischer Musik und R&B erweist sich zwar nicht augenblicklich als zugänglich, entwickelt beim wiederholten Hören aber eine umso stärkere Faszination.

Und so kommt es, dass man den elf Titeln des Albums vollends verfällt. Ebenso wie der traurig angehauchten Stimme von Jessie Ware. Die passt perfekt zu der Vermengung von zeitgenössischem Sound und modernen Elementen, vereint Parts von Künstlern wie Sade, Whitney Houston, The Carpenters, aber auch Ella Fitzgerald. Dafür verantwortlich ist wohl auch Jessies Mutter, die von vielen der Acts Audiokassetten hatte. Kaum war die junge Jessie mit ihnen in Berührung gekommen, war es um sie geschehen. Sie trat sogar in Musicals auf und nahm zwischendurch auch klassischen Gesangsunterricht.

Irgendwann gab sie ihren Traum Sängerin zu sein aber plötzlich auf und war sich sicher, dass sie es nie schaffen würde. Stattdessen konzentrierte sie sich darauf, Journalistin zu werden und verfolgte die Musik nur noch nebenbei. Bis ein Anruf von Jack Penate ihr Leben veränderte. Jack wusste noch aus der Schulzeit, dass Jessie eine tolle Stimme hatte und wollte von ihr wissen, ob sie für ihn den Hintergrundgesang bei einer BBC-Session mit Zane Lowe übernehmen könnte. Jessie sagt natürlich direkt zu und ging schließlich mit auf Tour. Zunächst durch Großbritannien, danach durch die USA. Ein massiver Push für das Selbstbewusstsein der britischen Singer-Songwriterin. Und die Kontakte von Jack öffneten ihr vollkommen neue Türen. Unter anderem zu einem befreundeten Produzenten namens SBTRKT. Mit ihm schrieb Jessie die Nummer „Nervous“ und die wurde praktisch zu einem Selbstauslöser.

Es folgten weitere Kollaborationen und schließlich Anrufe von Labels. Irgendwann wurde Jessie klar, dass sie ein Album aufnehmen MUSSTE. Sie wollte aber nichts überstürzen. „Meine Songs sollten so sein, dass sie nicht gleich morgen wieder vergessen sind. So eine musikalische Eintagsfliegen-Nummer kam für mich nicht in Frage“, so Jessie. Und weiter: „Ich wollte R&B-Songs aufnehmen, die melancholisch und wunderschön zugleich sind – so wie die Musik von Sade. Ich musste also nur die richtige Balance zwischen diesen Elementen finden.“

Das ist ihr bei „Devotion“ eindeutig gelungen. Denn der Name ist Programm. Jessie hat ihn gewählt, weil genau mit dem gleichnamigen Stück alles erst so richtig ins Rollen gekommen ist. Die übrigens zehn Tracks erledigen den Rest. In positiver Manier. Jessie besingt die Liebe, Freundschaften, aber auch das Verhältnis zu ihrem Bruder. Für den finalen Feinschliff hat die 27-Jährige dann auf die drei Produzenten Dave Okumu, Julio Bashmore und Kid Harpoon gesetzt. Die richtige Entscheidung. Ebenso wie die, den Journalismus links liegen zu lassen.

„Devotion“ ist ein eindrucksvolles Album. Sehr melancholisch, sehr reduziert, wunderbar verträumt. Schon jetzt eines DER Alben in diesem Jahr. Jessies Mission könnte deshalb aufgehen: „Ich hab’s auf die Liga der ganz Großen abgesehen!“

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