Kritik | Des Wahnsinns fette Beute von „Oomph!“

Küstler:
Oomph!
Redaktions-Wertung:
Titel:
Des Wahnsinns fette Beute
Release:
25. Mai 2012
LeserInnen-Wertung:

Hin und wieder kommen einem als Redakteur Scheiben in die Hände, bei denen man echt hin- und hergerissen ist. Wie zum Beispiel „Des Wahnsinns fette Beute“ von Oomph. Es ist ein Album, das Stärken hat und teils zu überzeugen weiß, ebenso hat es aber auch seine Schwachstellen und irrt ein wenig ziellos durch den musikalischen Kosmos. Wer Oomph-Fan der ersten Stunde ist, dürfte enttäuscht sein. Wer offen für Neues ist oder mit dem Trio noch nie groß in Berührung gekommen ist, der könnte vieles entdecken, was ihm gefällt. Musik irgendwo zwischen Deichkind, Die Ärzte, Depeche Mode und ja, eben Oomph.

Das ist eigentlich nichts Neues, denn seit Anfang an fusionieren Dero, Flux und Crap verschiedenste Einflüsse. „Man kann uns nicht festlegen. Wir haben Crossover gemacht, als es diesen Begriff noch gar nicht gab. Schon früh haben sowohl Metal- als auch Elektro-Magazine über uns geschrieben“ hat Dero einst gesagt. „In jungen Jahren haben wir AC/DC gehört, aber auch Kraftwerk, DAF, Depeche Mode und The Cure“, ergänzt Flux. Englische und deutsche Texte wurden miteinander vermischt, was damals niemand gemacht hat. Auch bei den Alben der Band hat sich dieser Trend forgesetzt. „Truth Or Dare“ (2010) wurde beispielsweise komplett in englischer Sprache verfasst. Oomph! gastierten in aller Welt, gaben Konzerte in Russland, den USA und nahezu allen Ländern Europas.

„Des Wahnsinns fette Beute“ ist nun das mittlerweile zwölfte Album der drei Marathonmänner. Für das aktuelle Opus wurden neue Spielregeln aufgestellt. „Lasst uns alles zulassen, so als hätten wir eine neue Band gegründet. Lasst uns selbstironisch augenzwinkernd ans Werk gehen. Bevor andere über uns lachen, machen wir das lieber selbst“, formuliert Dero ihren Vorsatz.

Zusätzlich holten sie sich befreundete Musiker ins bandeigene Studio, die ebenfalls Ideen beisteuerten. „Wir wollten uns neu entdecken. Raus aus Gothic und Melancholie, bunt statt dunkel!“, bekräftigt Crap. So entstand das vielfältigste, eingängigste und witzigste Werk ihrer bisherigen Laufbahn. Frei nach dem Motto „anything goes“ wurde es ein kunterbunter Reigen diverser Stile, ohne dabei die Wurzeln der Anfangszeit aus den Augen zu verlieren. So steht eine Gitarren-Nummer wie „Unzerstörbar“ neben „Zwei Schritte vor“, einem Song mit Sixties-Feeling und Bläsern. „Such mich find mich“ ist purer Dancefloor, „Bis der Spiegel zerbricht“ eine sehnsüchtige Synthi-Ballade, hinzu gesellt sich 80er-Pop wie „Kosmonaut“, Voll-Auf-Die Zwölf-Rock wie „Komm zurück“ und eine Variete-Nummer mit Reeperbahn-Flair wie „Seemannsrose“.

Zum musikalischen Reichtum kommt jede Menge Komik mit Köpfchen in den Texten. „Unzerstörbar“ etwa handelt von Größenwahn und Selbstbetrug, Dingen also, die man im Musikgeschäft öfter findet. In „Zwei Schritte vor“ geht es um die Weltwirtschaftskrise und ihre Wölfe (Bänker), Lämmer (Otto-Normalanleger) und Hütehunde (Politiker). „Such mich find mich“ dreht sich um die Liebe, während „Bis der Spiegel bricht“ sich mit Casting Shows und Wegwerf-Kultur befasst. „Aus meiner Haut“ behandelt ein Lieblingsthema von Frontmann Dero: „Jeder Mensch ist bi, am-bi-valent und bi-polar. Ich finde, es sollte nicht nur Schwulen und Bi-Sexuellen vorbehalten sein, Lieder über Homo- oder Bisexualität zu schreiben. Weil ich das in Songtexten und auf der Bühne ausleben kann, bin relativ entspannt in dieser Hinsicht“, sagt der Familienmensch und Vater zweier Kinder.

Jedes Mitglied des Trios ist smart, eloquent und durchaus streitbar. Da fragt man sich: Wie haben es Oomph! über zwanzig Jahre zusammen ausgehalten? „In einer Dreier-Konstellation gibt es kein Unentschieden bei Abstimmungen“, weiß Flux. „Wir sind nicht so nachtragend und versöhnen uns schnell, schließlich sind wir auch eine Interessengemeinschaft“, antwortet Crap. „Methode Bonobo“, lacht Dero, „inzwischen haben wir die richtige Mischung aus Nähe und Distanz.“

Oomph Live 2012:
24.06.12 Gelsenkirchen Blackfield Festival
12.07.12 Ballenstedt Rockharz
20.07.12 Weigendorf Weigendorfer Open Air
22.07.12 Cuxhaven Deichbrand Festival
03.08.12 Wacken Wacken Open Air
18.08.12 Dinkelsbühl Summer Breeze
23.09.12 Köln Essigfabrik
24.09.12 Bochum Zeche
26.09.12 Bremen Schlachthof
27.09.12 Hamburg Markthalle
29.09.12 Rostock MAU Club
30.09.12 Berlin Huxley’s
02.10.12 Leipzig Haus Auensee
04.10.12 München Backstage Werk
07.10.12 Ludwigsburg Rockfabrik
08.10.12 Frankfurt Batschkapp
09.10.12 Saarbrücken Garage
19.10.12 Braunschweig Meier Music Hall

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