Kritik | Biophilia von „Björk“

Küstler:
Björk
Redaktions-Wertung:
Titel:
Biophilia
Release:
07. Oktober 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

An Björk scheiden sich die Geister. Schon immer. Dennoch hat die Isländerin eine ganze Generation von jungen Musikern und Sängerinnen beeinflusst und scheint in ihrem Stil und ihrer Kreativität ungebrochen zu sein. Nach ihrem 2007er Album „Volta“ meldet sie sich nun mit neuem Material und der Scheibe „Biophilia“ zurück. Einem Multimedia-Projekt, das nicht nur ein Album, sondern auch zahlreiche Live-Shows in speziell ausgewählten Locations und Apps umfasst.

Damit ist „Biophilia“ nicht nur Sound, sondern mehr oder weniger ein Gesamtkunstwerk. Individuelle Apps, Live-Shows an ausgefallenen Orten mit speziell dafür gefertigten Musikinstrumenten und Installationen, Workshops, eine Film-Dokumentation, eine Website mit neuester HTML5-Programmierung und 3D-Animationen u.v.m. erwarten Fans der Musikerin. Björk plant tatsächlich eine dreijährige Welttournee, bei der sie sich für die Dauer von jeweils sechs Wochen in acht verschiedenen Städten aufhalten wird. Die Shows werden in Museen und anderen Räumlichkeiten stattfinden, alles wird auf Film gebannt und später als Dokumentation veröffentlicht. Noch mehr Björk geht also nicht.

Dennoch steht auf „Biophilia“ natürlich in erster Linie die Musik, also Björk selbst, im Vordergrund. Begonnen hat bei „Biophilia“ alles mit einem Touchscreen, weshalb die App-Umsetzung (die Grund-App ist bereits erhältlich) des gigantischen Projektes nur logisch erschien. Aus dem Haus, das Björk ursprünglich bauen wollte, ist ein digitales Gerüst geworden, dessen Räume sich mit gewaltigen und nahezu übernatürlichen Sounds füllen. Trotz allem steckt dahinter unverkennbar Björk. Ihre Stimme, ihre Art zu singen und selbst entworfene Instrumente schaffen verträumte Melodien, Klangwelten, und letztlich zehn Songs, die sich aneinander reiben zu scheinen und deshalb so energiegeladen sind. Björk lädt in ihren ganz eigenen Kosmos. Er ist gigantisch und wie immer – anders. Doch das Entdecken macht Spaß und bei Björk erscheint ein derartiges Projekt nicht größenwahnsinnig, sondern just ehrgeizig.

Das war Björk schon immer. Musste sie auch. Denn jemand, der derartig gegen den Strom schwimmt und auch nach 20 Jahren im Business beharrlich seinen Weg geht, der weiß, was er will. Björk macht Musik zu Kunst, schreibt sie aber auch neu. Sie verabschiedet sich vom herkömmlichen Longplayer und beschreitet digitale Wege. Ungewöhnlich, denn schließlich ist sie keine 18 mehr, sondern bereits 45. Dennoch: Sie hat klare Vorstellungen und so ist „Biophilia“ letztlich ein Konzeptalbum geworden.

Wer dieses wirklich in seiner Gesamtheit erfassen will, der wird auf die App nicht verzichten können. Oder auf die Liveshows, die Vorträge und Seminare. Es klingt gigantisch, was Björk da plant. Man kann nur hoffen, dass sie sich nicht übernimmt.

Verwandte Artikel

  • Keine verwandten Artikel gefunden

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a