Kritik | Audio, Video, Disco von „Justice“

Küstler:
Justice
Redaktions-Wertung:
Titel:
Audio, Video, Disco
Release:
28. Oktober 2011
LeserInnen-Wertung:
Genre:

Gaspard Augé und Xavier de Rosnay zählen derzeit wohl mit zu den bekanntesten und erfolgreichsten Franzosen. Seit dem Erstlingswerk „† – Cross Symbol“ hat sich das Electronic-Duo einen regelrechten Ausnahmestatus erarbeitet und will diesen nun auch mit dem Nachfolger „Audio, Video, Disco“ untermauern. Dabei setzen sie erneut auf Gitarren-lastigen Sound, facettenreiche Electro-Elemente und außergewöhnliche Melodien, sodass schnell das typisches Justice-Feeling aufkommt, auf das Fans vier Jahre warten mussten.

Eine wahre Hommage an Queen, Brian May, Giorgio Moroder und Led Zepelin ist es geworden. Abwechslungsreich und ruhiger als sein Vorgänger. Mit spannenden Vocals und Rhythmen, bei denen man die Füße nicht stillhalten kann. Und einem ganz großen Gefühl der 80er, das keineswegs angestaubt ist. Enttäuschung dürfte beim Hören keine aufkommen, ebenso wenig Langeweile. Wer einen Song vom Format eines „D.A.N.C.E“ sucht, wird ihn in einer entspannteren Variante eventuell in „New Lands“, definitiv aber im Titelsong „Audio, Video, Disco“ finden. Der erinnert kurzzeitig an den Soundtrack für „Tron: Legacy“, den die Landsmänner von Daft Punk kreiert haben, und hätte auf der Tracklist vielleicht schon etwas früher platziert werden sollen. Mit knapp zehn Minuten ist er allerdings auch bei Weitem der längste Titel.

Überhaupt scheiden sich ein bisschen die Geister an diesem Album. Die einen finden es grandios und sehen es als Weiterentwicklung, andere vermissen den etwas härteren Klang von „† – Cross Symbol“ und sind daher eher enttäuscht. Fakt ist, dass die Herren Augé und de Rosnay die durchgemachten Club-Nächte gegen entspannte Nachmittage auf dem Land eingetauscht haben. So zumindest mutet „Audio, Video, Disco“ an. Aber keine Sorge. Das klingt öder, als es in Wirklichkeit ist. Die gewohnt griffigen Elemente des Justice-Klangkosmos wechseln sich mit eher ungewohnten Bits und Pieces ab – manchmal treibend rockig, dann wieder entspannt chillig, dramatisch-knarzend oder gewollt cheesy. Immer aufregend, immer irgendwie alt und neu.

Apropos: Auf dem Album gibt es einen Zwölften, einen Hidden Track, der nach „Audio, Video, Disco“ läuft. Eine ruhige Nummer, die sich hervorragend als Outro macht und sehr relaxt ist. Vom Sound her erinnert sie an die Musik, mit der Justice die Dior Homme Spring Fashion Show 2009 untermalt haben. Sehr clean, aber dennoch mitreißend. Einfach typisch Justice eben.

Mit ihrem zweiten Album legen die elektronischen Franzosen in jedem Fall ansprechend nach und können sich sicher sein, dass ihre Fangemeinde auch in den kommenden Monaten weiter anwachsen wird. Aus ihrem Stil haben sie schließlich längst eine Trademark gemacht.

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1 Kommentar

  1. Kritik | Cross von „Justice“

    Selten zuvor hat mich Musik so hoch erfreut und gleichzeitig fasziniert wie diese scheinbar unendlich vielen aneinandergeketteten, phasy elektroschnipsel gepaart mit bombastischen, Fanfaren-ähnlichen Synthi-Sounds. Gitarrengekratze, Keyboard Symphonien, doch stets schrill und verzerrt. Beim ersten hinhören ein echter Schlag in die Fresse.
    Was sich nach einer Menge Mist anhört, ist in Wirklichkeit verdammt gut gemacht. Und spätestens seit dem Remix von „We are your friends“ (vs Simian) sollte sie jeder kennen.Mit Ihrem Debüt Album „Cross“ macht das Elektro-Duo „Justice“ Ihrem Namen alle Ehre.

    An einigen Stellen klingt es wie Daft Punk (hat sich wahrscheinlich Daft Punks Manager gedacht und die beiden Franzosen Gaspard Augé und Xavier de Rosnay unter Vertrag genommen), Justice überzeugt mich allerdings bei jedem Track mit einem unverwechelbaren und (vor Allem) neuen Sound. Ein Sound, der sich durch dein Trommelfell hämmert, bis er es schafft, dein Hirn auf Bypass zu stellen. Ein Sound, der hoffentlich die Clubszene erobern, wohl aber nicht in allen Köpfen hängen bleiben wird –

    Denn Justice ist gewöhnungsbedürftig. Zu Beginn war ich nicht in der Lage, den Track „Waters of Nazereth auf meinen Kopfhörern zu hören, mittlerweile zählt es zu meinen Favoriten.

    Vielleicht sind sie sogar etwas provokativ, wie man dem Cover (ein Kreuz, wer hätte das gedacht?!) und dem dazu passenden Titel des Albums entnehmen kann. Die beiden „Elektro-Messiasse“ steigen herab vom Kreuz, um den Menschen die frohe Botschaft zu verkünden, die dann logischer Weise auch mit dem Track „Genesis“ beginnt.

    Nichtsdestotrotz enthält „Cross“ auch ruhigere Momente, die etwas pop-orientierter klingen, wie z.B. „D.A.N.C.E.“. Doch Justice wäre nicht Justice, wenn sie nicht jeden Track mit Ihren gewohnten Setups unterstreichen würden. Und das funktioniert erstaunlicher Weise an jeder Stelle.

    Verzerrte, schrille, gewöhnungsbedürftige Musik. Für Elektro-Liebhaber, zu denen ich mich zähle ein gefundenes Fressen.

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