Kritik | 120 Days II von „120 Days“

Küstler:
120 Days
Redaktions-Wertung:
Titel:
120 Days II
Release:
09. März 2012
LeserInnen-Wertung:

Wer bislang der Meinung war, Rave ist Geschichte und die Zukunft des Rock sei untrennbar mit der E-Gitarre verbunden, den belehren 120 Days nun eines Besseren. Das Quartett aus Oslo reklamiert die rohe Kraft von Synthies und Drumcomputern für sich und beschert dem Zuhörer eine treibende Mischung aus Düsternis und Euphorie. Unerbittlich und mit erschreckend hoher Intensität graben sich der stoische Beat und die Synths in die Hirnrinde. Rock? Das war einmal!

Jonas Dahl, Kjetil Ovesen, Arne Kvalvik und Ådne Meisfjord haben vor wenigen Tagen den längst überfälligen Nachfolger ihres Debütalbums „120 Days“ vorgelegt. Der Sound darauf ist insgesamt elektronischer und durch die Synths wesentlich heavier. Inspiriert von hartem Industrial Detroit Techno, dem überirdischen Drone-Jazz einer (frühen) Alice Coltrane und dem orchestralem Wahnsinn der Wagner Opern läuft das Wikingerblut bei „120 Days II“ Amok. Sechs Jahre haben sich die vier Skandinavier dafür Zeit gelassen.

Während „Spacedoubt“ den Auftakt bildet, baut sich der Folgetrack „Dahle Disco“ über zehn Minuten Länge auf. Verschlungen, ebenso wie „Lucid Dreams – Part I bis III“. Alles geht fließend ineinander über. Atonal, psychedelisch und dennoch melodisch. „120 Days II“ erinnert an einen Trip mit nur wenig Gesang, dafür aber ganz viel ekstatischen und wohligen Beats, elektronischen Parts und jeder Menge Synthesizer. Das Instrumentale steht ganz klar im Vordergrund. Wer „120 Days“ kennt und sich ein Album vom gleichen Stil erhofft, wird von „120 Days II“ höchstwahrscheinlich etwas ernüchtert sein. Alle anderen erwarten Clubsounds vom Feinsten.

Die gewaltige 120 Days Live-performance mit dramatischer Laser- und Stroboskopshow ist im Frühjahr 2012 wieder zu bestaunen. Tourtermine sind für April in Planung.

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