Alles muss man selber machen von Großstadtgeflüster

Küstler:
Großstadtgeflüster
Redaktions-Wertung:
Titel:
Alles muss man selber machen
Release:
30. April 2010
LeserInnen-Wertung:
Web:
keine Angaben

 

Das erste Mal als ich die neue CD von Großstadtgeflüster in den Händen hielt, dachte ich mir noch: „Oh nein, nicht schon wieder eine deutsche Band, die versucht sich in Deutschland Gehör zu verschaffen und dabei mehr als schlecht ist!“ Kaum spielte der Player die Scheibe „Alles muss man selber machen“ an, wusste ich, dass es sich nicht um eine normale Band handelt. Das muss die deutsche Antwort auf die Band „Gossip“ sein.

Ein bisschen erinnert das freakige Album an eine moderne Abwandlung der „Neuen Deutschen Welle“, wo Inga Humpe bei Ideal ihre Performance zum Besten gibt. Eine freche Klappe hat „Großstadtgeflüster“ definitiv. Jeder der das Album „Alles muss man selber machen“ kaufen möchte, sollte sich fest anschnallen. Auch wenn viele situierte Personen diese Band als Querköpfe bezeichnen würde, kann ich dem nur bedingt zustimmen. Jen Bender, Chriz Falk und Raphael Schalz sind vielleicht Querdenker, aber das auf eine nette frivole und eigenständige Art.

„Großstadtgeflüster“ wird einen neuen Standard in der jungen Pop-Kultur Deutschland setzen. Erfrischend, sozial kritisch, schizophren und abgedreht. Dennoch versucht „Großstadtgeflüster“ mit ihrer ironisch witzigen Art die heutige Gesellschaft zu spiegeln. Deutschland dürfte sich nicht mehr im Dornröschen – Schlaf befinden, sondern müsste endlich nach dem dritten Studioalbum auf die Band aufmerksam werden. Wer nur ein bisschen Grips im Kopf hat, wird bemerken, dass dies nicht nur einfache Elektropoppunkpartydingsbums-Musik ist, sondern einen ernsten Hintergrund aufweist. Witziger Weise etwas kindisch verpackt. Nehmen die Akteure die Medienwelt und den Durchschnittsbürger aufs Korn oder will man einfach nur Spaß vermitteln?

Dafür muss sich jeder von euch den Longplayer selber zulegen. Der beste Titel auf dem Album ist „Laut reden und nichts sagen“. Das scheint ja in der letzten Zeit zum Standard zu werden, aber über Politik sollte man bei CD Bewertungen besser nicht reden. Wer den Song einmal gehört hat, kann verstehen worum es geht. Faszinierend, dass sich „Großstadtgeflüster“ darüber Gedanken macht und diese Themen in Songs verpackt.

Dann folgt da noch der Titel „Weil das morgen noch so ist“. Ein absoluter Ohrwurm. Vergesst Creme 21, Silbermond und Mia. In den 1980er hätten die meisten Menschen noch behauptet: „Das fetzt!“ Und das tut es. Spätestens wenn sich eure Füße verselbstständigen hat euch der Virus „Großstadtgeflüster“ angesteckt. Etwas Systemkritischer kommt das Lied „Weine nicht mein Kind“ daher. Den Titel „Ene Mene“ hätte man sich jedoch sparen können. Dafür trumpfen „Kontrollverlust“, „Königin“ und „Nutten und Koks“ richtig auf. Je nach Interpretation von „Kontrollverlust“ könnte man teilweise meinen, der Titel wäre eine leichte Verarschung von Modern Talking.

Die Einflüsse des Albums kann man eigentlich genau definieren. Schrille und skurrile Töne vermischen Pop und Punk,  gepaart mit Elektromusik und deutscher Frivolität. Ingesamt beinhaltet das Album „Alles muss man selber machen“ 13 Titel. Wer der deutschen Sprache nicht mächtig ist, kann im Booklet sogar die jeweiligen Texte finden.

„Alles muss man selber machen“ bietet frische deutsche Popkultur. Nicht alles passt zueinander, aber da der Longplayer sehr viel Abwechslung bietet lohnt sich ein Kauf. Man kann nur hoffen, dass man in der nächsten Zeit noch mehr von der Band hört.

Subscribe to Comments RSS Feed in this post

2 Kommentare

  1. Wie kommst Du darauf, dass Kontrollverlust eine Verarsche, wie Du schreibst, von Modern Talking sein soll?

  2. Dann hör Dir das Lied doch einfach mal an. Die hohe Stimmlage klingt ein wenig nach Modern Talking.

    😉

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

n/a