THE WIRE – Eine TV-Serie wird „posthum“ auf DVD zum Kult | DVD-VÖ der 3. Staffel am 13.07.12

Noch nie zuvor hat es eine TV-Serie geschafft, im Nachgang einen so gewaltigen Boom zu erleben. „The Wire“ lief in den USA zwischen 2002 und 2008 auf dem Pay-TV-Sender HBO. Kritiker von „Time-Magazine“ und „New York Times“ bis zum britischen ?Guardian“ zelebrierten die außerordentliche Qualität dieses TV-Epos und bescheinigten der komplexen Erzählform und den spannenden Handlungssträngen der Episoden „literarische Qualitäten“.

Von Mai 2008 an sendete der deutsche Pay-TV-Channel Fox eher unbemerkt eine deutsch synchronisierte Fassung, gefolgt von der ersten DVD-Veröffentlichung im Jahre 2010. Damit war der Grundstein für die stetig steigende Zahl von „The Wire“-Fans auch in Deutschland gelegt. Das euphorische Lob aus den englischsprachigen Ländern setzte sich in den deutschen Leitmedien fort – der Kult um die Serie begann.

Die zwölfjährige Tätigkeit von Autor und Produzent David Simon als Polizeireporter der „Baltimore Sun“ diente als Basis für ?The Wire“: Die realitätsbezogene Nähe zu den Detectives der Mordkommision und seine damit verbundenen Erlebnisse beschrieb Simon vor etwa 20 Jahren in seinem Buch „?Homicide – ein Jahr auf mörderischen Straßen“ und llieferte damit die inhaltliche Vorgabe für „The Wire“.

Die Fälle, mit denen sich die Sondereinheit der Polizei von Baltimore in „The Wire“ beschäftigt, scheinen vordergründig den ganz normalen Ermittlungsalltag der Beamten in einer der gefährlichsten Städte der USA darzustellen: Drogenhandel, Diebstahl, Raub und Mord. Allerdings wird dem Betrachter in akribischer Erzählweise kein schmutziges Detail oder Elend vorenthalten, sondern vielmehr geholfen, die Gründe für die Verbrechen zu verstehen.

Nach und nach taucht der Zuschauer in die Stories der schnörkellos erzählten, sehr realistischen TV-Serie ein. Ständige Perspektivwechsel und die Weiterführung der unterschiedlichen Handlungstränge sowohl aus Sicht der Polizei als auch ihrer Verdächtiger lässt die Grenzen zwischen Gut und Böse, zwischen Verbrechen und Gesetz verschwimmen. Auf den von Drogen verseuchten Straßen von West-Baltimore braucht man manchmal mehr als nur eine Dienstmarke um zu unterscheiden, wer auf welcher Seite des Gesetzes steht. Im realistischen Blick auf den Kampf einer Stadt ums Überleben nimmt die hohe Authentizität der Figuren einen entscheiden Stellenwert ein.

Jede Staffel in „The Wire“ konzentriert sich auf einen bestimmten Themenkomplex. In der ersten Ermittlungaktion („The Wire“ steht als Slang-Bezeichnung für die Abhöraktionen der Polizei) versucht das Baltimore Police Department den Drogenring des mächtigen Avon Barksdale (Wood Harris) zu sprengen. „Listen Carefully“ – so die Subline – führt den Zuschauer in die Serie ein und stellt die anspruchsvoll arrangierte Handlungstränge mit den Hauptprotagonisten vor. Erzählt wird vom Leben und Kampf um die „Ecken“ in West-Baltimore sowie von der streng hierarchischen Organisation der Dealer-Szene. Barksdale und Russel „Stringer“ Bell (Idris Elba) scheinen den Drogenhandel fest im Griff zu haben. Die Ermittler Detective James „Jimmy“ McNulty (Dominic West), Shakima „Kima“ Greggs (Sonja Sohn), William „Bunk“ Moreland (Wendell Pierce) und Kollegen werden vom Leiter der Sondereinheit Lt. Cedric Daniels (Lance Reddick) im Kampf gegen das Verbrechen angeführt.
Die DVD der 1. Staffel wurde 2010 veröffentlicht.

Staffel 2 von „The Wire“ – vergangenes Jahr in Deutschland auf DVD veröffentlicht – fokussiert sich auf den Hafen von Baltimore, heißt „A New Case Beginns – The Port“ und dreht sich um die illegalen Geschäfte der Hafenarbeiter. Es geht um Menschenhandel, Schmuggel und den immerwährenden Kampf der Polizei gegen den Drogennachschub für das Barksdale-Syndikat.

Doch nicht nur der Kampf um und gegen die Drogen bestimmt das Geschehen. Stadtrat Thomas „Tommy“ Carcetti (Aidan Gillen) versucht in der dritten Staffel „Rules Change – The Game Remains The Same“ den Posten des Bürgermeisters zu bekommen. Das Rathaus von Baltimore (Themenkomplex: „The Hall“) baut einen immensen Druck auf die Polizeiführung auf, sodass es zum Experiment „Hamsterdam“ kommt: Auf Initiative eines einzelnen Police-Captains wird eine „Zone“ abseits der Wohngebiete eingerichtet in der die Dealer ihren Geschäften unter Polizeiaufsicht nachgehen. Als die Medien davon Wind bekommen, wird das Experiment trotz signifikant sinkender Kriminalitätsrate unverzüglich beendet.

Und mittendrin immer wieder der Überlebenskampf des liebenswerten Junkies Reginald „Bubbles“ Cousins (Andre Royo) sowie der Gangster Omar Little (Michael K. Williams), der sich als eine Art „Robin Hood“ auf das Ausrauben von Drogendealern spezialisiert – er wurde von Barack Obama als einer der faszinierendsten Charaktere der ganzen Serie gelobt (wie auch Obama „The Wire“ als “one of the best shows of all time“ bezeichnete!).

„The Wire“ Staffel 4 – die im September 2012 zur Veröffentlichung ansteht – befasst sich mit dem Themenkomplex Erziehung und Schule („No Corner Left Behind – The School“). Im November 2012 erscheint die finale, fünfte „The Wire“-Staffel mit inhaltlichem Schwerpunkt auf den Medien: „The Media – Read between The Lines“.

Obwohl Musik in der Serie nur punktuell und im Kontext eingesetzt wird – zum Beispiel via Autoradio oder aus der Jukebox -, nimmt sie eine wichtige Rolle ein. Die unverkennbare akustische Signatur der Serie liefert der Titelsong „Way Down in the Hole“ aus der Feder von Tom Waits (Album: „Franks Wild Years“, 1987): Jede Staffel beginnt mit einer anderen Version des Songs. Die erste Staffel lässt „The Blind Boys of Alabama“ den Titel interpretieren. In der zweiten Staffel ist es die Original-Version von Tom Waits, gefolgt von einer sehr rhythmusorientierten Fassung der legendären Neville Brothers. Staffel vier setzt eine Version ein, die von fünf Jugendlichen aus Baltimore eingesungen wurde. In der finalen, fünften Staffel ist US-amerikanische Country-Sänger Steve Earle nicht nur der Interpret der musikalischen Serienthemas, sondern spielt auch die Rolle des „Walon“. Interessant am Rande: Die Gastrolle von Wu-Tang-Clan-Mitbegründer und East-Coast-Rap-Legende „Method Man“ als Drogendealer „Cheese“ in der dritten Staffel.

Des Weiteren werden die Titel „Step by Step“ von Jesse Winchester, „I Feel Alright“ von Steve Earle, der Van Morrison Song „Fast Train“ (von Solomon Burke interpretiert), die Dr.-John-Komposition „I Walk On Gilded Splinters“ (von Paul Weller gesungen), verwendet. Nicht zu vergessen: The Pogues mit „The Body Of An American“ und der Nighthawks-Song „Sixteen Tons“.

Der Soundtrack „The Wire: And All The Pieces Matter“ – Five Years of Music from The Wire“ wird dieser Tage von Warner Music Germany auf Nonesuch Records in Deutschland veröffentlicht.

Einen Promo-Trailer zur 1. Staffel gibt es hier zu sehen!

Verwandte Artikel

  • Keine verwandten Artikel gefunden
n/a