Musik-Tipp SUNDAY IN BED N°5 | VÖ 14.09.2012

Wer sich in einer Zeit, in der niemand Zeit zu haben glaubt, dazu entscheidet, einfach mal einen ganzen Sonntag im Bett zu bleiben – ob in Gesellschaft oder lieber ganz allein – definiert sich automatisch als Mitglied einer exklusiven Peergroup, der Individualität und Selbstbestimmtheit über alles geht. Bravo! Natürlich verdient diese durch und durch aristokratische Haltung des Sich-Nicht-Vereinnahmen-Lassens in schweren Zeiten einen adäquaten Sonntag-Soundtrack, dem auf angemessene Weise gleichwohl der Moment des Besonderen inne zu wohnen hat. Diesen Soundtrack liefert verlässlich, 2012 bereits im fünften Jahr, das Label Clubstar mit der Compilation-Serie „Sunday in Bed“ – nomen quidem est omen. Das Label Clubstar spielt nicht nur mit Club & House Compilations auf einem hohen Niveau, sondern auch mit vielen anderen Compilation-Serien im Lounge-Bereich. So zum Beispiel mit der Serie “Sunday In Bed“.

Das Konzept von “Sunday in Bed“ ist simpel und komplex zugleich. Die Musik soll „easy listening“ sein, „casual“ würden Amerikaner sagen. Lässigkeit ist Pflicht. Aber lässig bedeutet absolut nicht: beliebig! „Sunday in Bed“ will die Ohren seiner Hörer kitzeln, manchmal auch ein bisschen kraulen. Mit der Gleichzeitigkeit von großen Namen und Underground. Mit Vertrautem und Neuem, mit Vergessenem, mit Unerwartetem. Explizit: mit einer Parforcejagd durch alle möglichen und unmöglichen Genres.

Da steht Serge Gainsbourg, der Monolith des modernen französischen Chansons, mit einem in Jamaica aufgenommenen Reggae-Song aus dem Jahr 1979 neben der großen Dame des aktuellen Soul: der ganz und gar heutigen Erykah Badu. Da stehen Harry Manx und Kevin Breit, zwei Gitarrenvirtuosen der US-Country-Szene, neben Frank Ocean, seit seinem Auftritt bei der Jimmy Fallon Show Anfang Juli der neue Darling der Black-Musik. Da steht Maverick Sabre, hochaktueller Newcomer des britisch-prolligen Blue-Eyed-Soul, neben WZRD. Hinter dem Pseudonym WZRD verbirgt sich der Edel-Rapper Kid Cudi, hier auf „Dream Machine“ in Kooperation mit seinen australischen Freunden von „Empire of the Sun“.

Die Macher von „Sunday in Bed“ haben auf der Suche nach Unbekanntem das Internet durchforstet und sind dabei auf den Jazz-Trompeter Kafele und den texanischen R&B Sänger J Metro gestoßen, zwei Hochkaräter, die zum Zeitpunkt der Lizenzierung für diese Produktion noch gar keinen Label-Vertrag hatten. Ebenso wenig übrigens wie die drei Herren von Souls Rest. Da steht „the Godfather of Austin Blues“, der in Europa völlig unbekannte Veteran W.C. Clarke, neben dem Jazzanova-Spinn-Off Prommer & Barck, das den 70er Jahre Jazz/Rock von AL Di Meola in einen furiosen House-Track verwandelt. Die Berliner Techno-Szene ist mit Trikski vertreten, gleich folgen die Neuseeländer von der „Phoenix Foundation“ mit mystischem Softrock. Da gibt es den hochtalentierten jungen Jazz-Sänger José James aus New York, die französischen Rock-Prinzen von Tahiti 80 und die von Housse De Racket, die britischen Newcomer Toddla T und Matt Henshaw, New Yorker/Pariser Bohème-Pop von Ivy und ein zwölf Jahre altes, absolut zeitgemäßes Meisterwerk des Drum & Base von Smith & Mighty. Das und noch viel mehr ist „Sunday in Bed N°5“.

Und – oh Wunder, die Stile und Epochen verbinden sich in schönster Harmonie. Jeder Song für sich: anspruchsvoll. Gleichwohl in der Summe: easy to listen to…

Wer will, kann nach Abhören dieser Doppel-CD die nicht zu verachtende Erkenntnis mit in die nächsten Wochen nehmen, dass es auch in Genres, die bisher nicht zu den persönlichen Präferenzen gezählt haben, kreative, begeisternde, oder schlichter: höchst hörenswerte Musiker gibt. Wem das zu ambitioniert scheint, der kann sich von „Sunday in Bed N°5“ auch einfach nur betören lassen – und sich dabei an der stylischen Covergestaltung delektieren.

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