John Legend & The Roots mit gemeinsamem Album „Wake Up“

„Wake Up!“ ist ein Album, das bereits im Vorfeld von Barack Obamas historischer Wahl zum Präsidenten konzipiert wurde. Bewegt von den Millionen von jungen Leuten, die während der Wahl 2008 ihre eigene politische Stimme entdeckten, reisten John Legend und The Roots in die Vergangenheit zurück, um ein musikalisches Manifest zu schaffen, das diesem neu entdeckten politischen Aktivismus und Optimismus zusätzliche Kraft verleihen sollte.

Aus einer anfangs umfangreichen Liste von Songs aus verschiedenen Zeiten und Genres, grenzten Legend und Ahmir „?uestlove“ Thomson von The Roots das Repertoire schließlich auf die sozialbewusste Soulmusik der 60er und 70er Jahre ein. „Wake Up!“ ist das Ergebnis von viel Ausgrabungsarbeit in den Kratern der Geschichte – eine Zeitreise in eine Epoche, die unsere Konflikte und unser Potenzial auf seltsame Art widerspiegelt – auf der Suche nach dem reinen, Freiheit stiftenden Klang des ethnischen Bewusstseins und der radikalen Proteste. Die Trauer um die Kennedys, Malcolm und Martin, die Proteste gegen den Vietnam Krieg und das Entsetzen über die Aufstände in Newark und Watts; die Songs die hier erscheinen, erfolgreich oder unbekannt zu ihrer Zeit, führten zu den neuen Musikgenres Funk und Soul und riefen ihre Generation dazu auf, aufzuwachen, um etwas zu ändern.

Zurück zur jüngeren Geschichte: Die elf Songs auf diesem Album stammen aus Aufnahmen, die zwischen Juli 2008 und Juni 2010 stattfanden, zunächst im „The Studio“, dem musikalischen Zuhause der Roots in Philadelphia und später in den Legacy Studios in New York City. John Legend singt auf allen Tracks, Melanie Fiona tritt nur im Titelsong des Albums auf. Auf anderen Tracks sind Künstler wie die MCs Common, CL Smooth und natürlich Black Thought von The Roots vertreten. Die Instrumente sind mit Ahmir „?uestlove“ Thompson am Schlagzeug, James Poyser an Keyboards, Orgel und Klavier, Kirk Douglas an der Gitarre und Owen Biddle am Bass besetzt.

Eine Hymne für eine Generation zu entwickeln, die mit HipHop und Pop (und nicht mit Soul) aufgewachsen ist, und die mit MTV und YouTube (und nicht Vinyl) durch ihre Jugend ging, war keine leichte Aufgabe. Diese Generation stammt aus einer Zeit nach den großen Kämpfen für die Befreiung: Sie sind aufgewachsen, nachdem die Bürgerrechtsbewegung und die Frauenrechtsbewegung ihre Siege gefeiert und in die Verfassung gebracht hatten. Sie kämpfen nun in den „Wars of Choice“ im Irak und in Afghanistan, den Kriegen die ohne eine unmittelbare Gefahr geführt werden, aber werden durch keine wesentliche Antikriegsbewegung geschützt.

Angefangen mit ?uestloves genialem Schlagzeug auf „Hard Times“, im Original aus dem Jahr 1971 von Baby Huey and the Babysitters, öffnet das Album mit Dringlichkeit und Verzweiflung. Wir erleben zurzeit die größte Wirtschaftskrise seit der Großen Depression. Und trotzdem scheint unsere Arbeits- und Wohnungslosigkeit noch auswegloser zu wirken, wenn Black Thought zu den oft gesampelten Beats von Curtis Mayfield scharf zugibt, dass er für eine Verbesserung seiner Situation vermutlich alles tun würde: („I probably do whatever that would better my outcome / This city is like the Audubon ballroom waiting on Malcolm / ’Cause people wanna see my blood flow like fountains / I got nowhere to go and still feel like bouncing”). Legend und The Roots tauchen tiefer in den Anti-Kriegs-Soul ein und fahren mit dem unsterblichen Stück „Compared to What?“ von Eugene McDaniels fort, einem Vietnam-Protestsong, der 1969 durch den Pianisten Les McCann und den Saxophonisten Eddie Harris berühmt geworden ist. Da McDaniels wegen seiner Kritik an Nixon ins Abseits gedrängt wurde, hat seine Botschaft nur in Samples von HipHop-Stücken überlebt. Legends temperamentvoller Bariton und Chris Farrs Saxophon beschwören den fortschrittlichen Geist von McDaniel herauf und zerschneiden so den Nebel des Kriegs mit bemerkenswerter Klarheit – und begegnen dem Klang der US-Raketen im Nahen Osten mit dem konstanten Ruf nach Gerechtigkeit.

Weblinks: www.johnlegend.com/de, www.union-street.de/artist/john-legend

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