David Garrett: das 'verlorene Album' "14" | VÖ: 22.03.13

„Für mich persönlich ist ’14‘ die Verbindung zwischen den Aufnahmen, die ich als Kind gemacht habe und den Alben, die ich jetzt als Erwachsener einspiele. Ich bin sehr froh, dass die CD nach so vielen Jahren herauskommt, denn ich glaube, dass damit ein Stück weit meine Geschichte zusammenwächst.“

Es ist die Geschichte des Ausnahmeviolinisten David Garrett, die so ungewöhnlich ist und in der die Musik seit Anbeginn die Hauptrolle spielt: „Musik war in meinem Leben immer die Konstante, die mir Kraft gegeben und mich ausbalanciert hat. Ich konnte aus der Musik die Motivation ziehen, auch in schwierigen Lebenslagen immer weiterzukämpfen.“ Damit wird „14“ für David Garrett 2013 zu einem Album, dessen Titel ebenso schlicht wie aussagekräftig ist. Denn „14“ bezeichnet die Teenagerjahre, die Zeit des Erwachsenwerdens, und gerade in diesem förmlich spannungsreichen Lebensabschnitt fanden die CD-Aufnahmen statt: „Ich war eine Kuriosität unter meinen Gleichaltrigen und fühlte mich in diesem Alter aber gleichzeitig genauso unwohl in der Welt der klassischen Musik“. Trotz allem

gab ihm die Liebe zu seiner Geige Halt – und die Bedeutung, die die emotionale Sprache der Musik besitzt, war David Garrett bereits in jungen Jahren lebendig vor Augen.

Deshalb ist „14“ ein außergewöhnliches zeitgeschichtliches Dokument, das gleichsam als Momentaufnahme aus dem Jahr 1995 eine wegweisende Station in der Karriere des Künstlers beleuchtet. Mit der Veröffentlichung des Albums bekommt der Hörer die seltene Möglichkeit, den einst jungen Violinisten mit dem heute in aller Welt etablierten Stargeiger zu vergleichen. Einige der auf „14“ enthaltenen Werke, die sich im Laufe der Jahre zu Lieblingsstücken im Repertoire des Künstlers entwickelt haben, stehen nun sogar den Neuaufnahmen aus seinen jüngsten Alben „Classic Romance“ und „Legacy“ gegenüber. Ob Antonín Dvo?áks Humoresque, Fritz Kreislers Praeludium und Allegro im Stile von Gaetano Pugnani oder Peter Tschaikowskys Nur wer die Sehnsucht kennt – die nunmehr 18 Jahre alten Tondokumente eröffnen nicht nur Kennern des Geigers und seiner Werkauswahl einen besonderen Hörgenuss. Der damals schon charakteristische, hochsensible und dabei fast flehentlich vibrierende Geigenton kommt in der kammermusikalischen Besetzung Violine und Klavier zu berührender Entfaltung.

Dazu bietet „14“ mit weiteren faszinierenden Werken Einblick in die vielseitige Virtuosität des Künstlers: „La campanella ist möglicherweise eines der bedeutendsten Stücke, die Niccolò Paganini geschrieben hat.“ Dieses Werk, das vielen Komponisten als Inspiration diente, eröffnet die musikalische Rückschau, an die sich mit der sogenannten „Teufelstriller-Sonate“ von Giuseppe Tartini ein weiteres Meisterwerk anschließt. Eine musikalische Herausforderung, die dem Vierzehnjährigen im letzten Satz mit seinen schnellen Läufen und Trillern technische Höchstleistungen abverlangt und die er in diesem Alter mit schier unfassbarer Bravour meisterte. Das innig-lyrische Ave Maria! von Franz Schubert bietet hingegen Raum für die emotionale Ausdrucksfähigkeit des Geigers.

„Für mich selbst ist es unglaublich, zurückzuschauen und zu sehen, was ich in diesem Alter gemacht habe.“ Technisch und musikalisch auf einem Höchstlevel, wurde David Garrett damals unterstützt von Mentoren wie Ida Haendel, Yehudi Menuhin und Isaac Stern.

Mit der auf „14“ zu hörenden La Capricieuse, op. 17, von Edward Elgar sind die Geschicke eines weiteren bedeutenden Lehrers von David Garrett verknüpft: Itzhak Perlman. „Ungefähr ein Jahr vor der Aufnahme der CD habe ich Itzhak Perlman kennengelernt. Die Capricieuse von Elgar war tatsächlich das erste Stück, das ich für ihn gespielt habe. Er gab mir den dringenden Rat, dieses Stück auf meiner nächsten CD aufzunehmen. Das war der erste Ratschlag, den ich von Itzhak Perlman bekommen habe.“ Tatsächlich sollten mit dem Wechsel an die Juilliard School in New York im Jahr 2001 noch viele weitere folgen.

Konzipiert als virtuoses Recital, gibt „14“ einen Einblick in die schier unglaubliche Technik und Musikalität des jüngsten Künstlers in der Geschichte der Deutschen Grammophon. Es erlaubt einen Ausflug in die musikalische Vergangenheit des Violinisten und fünffachen ECHO-Preisträgers, der mit seinem Konzept, junge Leute zur Klassik zu bringen, in den letzten Jahren so viel Bewegung in die Klassikszene gebracht hat wie kein anderer vor ihm.

„’14‘ ist eine Momentaufnahme meines Lebens, ein Schnappschuss meiner Geschichte, es zeigt einen wichtigen Teil davon, wer und was ich heute bin. Ich bin erleichtert, dass dieses ‚verlorene‘ Album nun veröffentlicht wird.“

Tracklisting

Niccolò Paganini (1782–1840)
A La campanella 6:10
Rondo aus dem Violinkonzert Nr. 2 op. 7
arr. August Wilhelmj

Giuseppe Tartini (1692–1770)
Violinsonate g-moll »Teufelstriller-Sonate«
arr. Fritz Kreisler
B 1. Larghetto 4:13
C 2. Allegro energico 2:54
D 3. Grave 1:25
E 4. Allegro assai 8:22

Antonín Dvorák (1841–1904)
F Humoresque op. 101 Nr. 7 3:54
arr. Marta Linz

Franz Schubert (1797–1828)
G Ave Maria! 5:50
Ellens Gesang III D 839
arr. August Wilhelmj / George Perlman

Fritz Kreisler (1875–1962)
H Praeludium und Allegro im Stile von Gaetano Pugnani 5:28

Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840–1893)
I Nur wer die Sehnsucht kennt op. 6 Nr. 6 3:42

Henryk Wieniawski (1835–1880)
J Fantaisie brillante op. 20 17:37

Fritz Kreisler
K Liebesleid 3:55

Edward Elgar (1857–1934)
L La Capricieuse op. 17 3:49

Max Bruch (1838–1920)
M Kol Nidrei op. 47 10:26

arr. Josef Gingold

David Garrett violin
Alexander Markovich piano

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